CC4F-Newsletter November

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Herzlich willkommen zur neusten Ausgabe. Diese informiert Sie über regio-lokale Entwicklungen der sozial-ökologischen Transformationsprozesse aus christlicher Perspektive.

Editorial: Zwischen Acker und Asphalt – Potentiale der Flächen zukunftsweisend nutzen

Deutschland hat ein Bodenproblem – nicht weil es an Fläche mangelt, sondern weil wir sie nicht zukunftsweisend nutzen. Während Städte wachsen und der Energiehunger steigt, schrumpft die Fläche, die uns ernähren soll. Die Landwirtschaft steckt in einem System, das falsche Anreize setzt: Die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) belohnt Größe statt Nachhaltigkeit. Subventionen fließen nach Hektar, nicht nach ökologischer Leistung. Wer mit Rücksicht auf Boden und Artenvielfalt wirtschaftet, trägt oft höhere Kosten und erzielt geringere Erträge.

Ein Teufelskreis aus Überfluss und Abhängigkeit

Das Resultat ist ein Teufelskreis: 60 Prozent der Ackerflächen dienen der Tierfütterung, nur ein Fünftel dem direkten Anbau von Nahrungsmitteln. Dabei ist Fleischproduktion flächenhungrig – um eine Kalorie Fleisch zu erzeugen, werden bis zu sieben Kalorien pflanzlicher Nahrung benötigt. Diese Ineffizienz treibt den globalen Flächenverbrauch in die Höhe. Deutschland nutzt nicht nur seine eigenen Böden, sondern auch Millionen Hektar in Südamerika und Afrika, wo Regenwälder für Sojaanbau und Viehzucht weichen. Der ökologische Preis unseres Überflusses wird anderswo gezahlt. Die Folgen zeigen sich aber auch längst vor der eigenen Haustür. Monokulturen laugen die Böden aus, Pestizide belasten das Grundwasser, fruchtbare Erde erodiert. Kleine Höfe verschwinden, während industrielle Landwirtschaft wächst. Das Land wird eintönig – ökonomisch effizient, ökologisch leer. Die Landwirtschaft verliert ihre Vielfalt, ihre Widerstandskraft und ihre Seele.

Wege aus der Sackgasse

Dabei liegen Lösungen längst auf dem Tisch. Eine effizientere Flächennutzung bedeutet vor allem, Prioritäten neu zu setzen: weniger Tierhaltung, mehr Pflanzenanbau für die direkte menschliche Ernährung. Eine Tierwohlabgabe, gekoppelt an die Fläche und Bestandsdichte, könnte den Wandel beschleunigen – hin zu „weniger Tieren, besser gehalten“.
Zugleich braucht es Innovation: Agri-Photovoltaik etwa ermöglicht es, auf denselben Flächen Nahrung und Strom zu erzeugen. Vertical Farming, also der Anbau in mehreren Etagen, spart Platz und Wasser – vorausgesetzt, die Energie dafür stammt aus erneuerbaren Quellen. Doch auch die modernste Technologie nützt nichts, wenn sie die grundlegende Logik des Systems nicht verändert. Solange landwirtschaftliche Flächen in erster Linie nach Rentabilität statt nach Gemeinwohlkriterien genutzt werden, bleibt die Landwirtschaft ein Spielball ökonomischer Zwänge. Effizienz im Sinne des Marktes ist nicht Effizienz im Sinne der Nachhaltigkeit.

Unser Anteil an der Verschwendung

Und schließlich: Wir selbst sind Teil des Problems. Etwa ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel landet im Müll, in Deutschland besonders viel am Ende der Wertschöpfungskette – in privaten Haushalten. Jeder verschwendete Apfel, jedes weggeworfene Brotstück steht für Energie, Wasser, Düngemittel – und für Quadratmeter Boden, die umsonst genutzt wurden. Wer die Verschwendung reduzieren will, muss nicht nur anders einkaufen, sondern anders denken.
Die Landwirtschaft ist das Fundament jeder Gesellschaft – und doch behandeln wir sie, als sei sie beliebig reproduzierbar. In Wahrheit ist Boden keine Ressource wie jede andere, sondern eine endliche, fragile Lebensgrundlage. Effiziente Flächennutzung heißt deshalb nicht, mehr zu produzieren, sondern das Richtige: Nahrung statt Treibstoff, Vielfalt statt Monokultur, Verantwortung statt kurzfristiger Ertrag.

Der Boden als Gabe Gottes

Aus christlicher Sicht ist der Boden mehr als ein Produktionsfaktor – er ist Teil der Schöpfung, die dem Menschen anvertraut wurde. „Macht euch die Erde untertan“ darf nicht als Freibrief zur Ausbeutung verstanden werden, sondern als Auftrag zur Fürsorge. Nachhaltige Flächennutzung ist daher ein Akt der Gerechtigkeit: gegenüber kommenden Generationen, gegenüber den Armen, die am stärksten unter Umweltfolgen leiden, und gegenüber der Schöpfung selbst. Wer den Boden achtet, ehrt den Schöpfer.

Quelle: Foto von Loren King auf Unsplash
Im Bericht des Club of Rome lesen Sie mehr, wie verantwortungsvolle Landwirtschaft und Ernährung gelingen könnte Mehr lesen

Vertiefende Infos

Rückblick: Ökumenischer Tag der Schöpfung zu Tierwohl und Tierethik

5. Sep. Haus Düsse, Bad Sassendorf-Ostinghausen

Das Zusammenleben von Menschen und Tieren stand beim diesjährigen Ökumenischen Tag der Schöpfung im Mittelpunkt. Die zentrale Eröffnungsfeier der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland fand erstmals in Nordrhein-Westfalen statt. Die gastgebende ACK-NRW hatte dazu auf das Gelände des Landwirtschaftszentrums „Haus Düsse“ der Landwirtschaftskammer NRW eingeladen. Zu Wort kamen unterschiedliche Meinungen …

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Zukunftsprojekt gescheitert – Schlüsseltechnologie verweigert

Leserbrief zu „Photovoltaik- Projekt ist tot“ vom 11. Okt. 2025

Großes Unverständnis herrscht nach der Ablehnung der geplante Agri-Photovoltaik-Anlage in Müllingsen durch den Stadtentwicklungsausschuss. Dieses Vorhaben war ein entscheidender Schritt hin zu einem innovativen Wirtschaftsstandort: saubere Energie ohne kommunales Kapital für „etwa 20 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs aller Soester Haushalte“. Nun ist das Zukunftsprojekt gescheitert – und mit ihm eine …

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Herausforderung Hunger – Jahresheft Welternährung 2025/26

Misereor-Publikation Studie “Armutslücke Welternährung” - Was wir tun können, um Ernährungsarmut zu stoppen.

Armut ist einer der Hauptgründe für Hunger in der Welt. Drei Milliarden, also zwei von fünf Menschen weltweit, können eine gute Ernährung schlichtweg nicht bezahlen. Krieg, Katastrophen und wirtschaftliche Not sind die Hauptursachen für Hunger. Hier zeigt sich eine fatale Entwicklung. So verdoppelte sich die Zahl der …

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Weitere Themen

Ein Aufruf für Klimagerechtigkeit und das gemeinsame Haus

Stellungnahme der Südbischöfe vor nächster Klimakonferenz

Vor Beginn der 30. Weltklimakonferenz (COP 30) in Belém/Brasilien vom 10. bis 21.11.2025 haben die großen kontinentalen Bischofskonferenzen Afrikas, Asiens sowie Lateinamerikas und der Karibik (und damit ein Großteil der Kath. Kirche) sich mit einem dramatischen Appell für Klimagerechtigkeit an die internationale Gemeinschaft und vor allem an …

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Ein Aufruf für Klimagerechtigkeit und das gemeinsame Haus

CO2-Budget für die Temperaturobergrenze von 1,5 °C verbraucht

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) bezieht Stellung.

Das deutsche CO2-Budget läuft aus, die Sektorziele sind weg – und vier Klimaklagen warten auf eine Entscheidung. Stellungnahme des Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) zu Klima-Verfassungsbeschwerden Das Bundesverfassungsgericht berät derzeit über mehrere Verfassungsbeschwerden gegen das Klimaschutzgesetz. Es hat dem SRU die Möglichkeit gegeben, sich als sachkundiger Dritter zum Verfahren zu …

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CO2-Budget für die Temperaturobergrenze von 1,5 °C  verbraucht

Leben zunehmend in Gefahr – Klimakipppunkte und die Verantwortung der Menschheit

Kipppunkte überschritten

Der neue Global Tipping Points Report 2025 zeigt alarmierend, dass die Erde bereits ihren ersten Klimakipppunkt überschritten hat. Nach Einschätzung von mehr als 160 internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sind die Warmwasser-Korallenriffe irreversibel geschädigt. Diese Ökosysteme, die unzähligen Meerestieren Schutz und Nahrung bieten, sterben aufgrund der Meereserwärmung und Versauerung großflächig ab. Damit geht nicht nur ein wichtiger Lebensraum verloren, …

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Kirchen dringen auf konkrete Beschlüsse bei Weltklimakonferenz COP30

COP30 tagt vom 10. bis zum 21. November

Kirchen und kirchliche Organisationen drängen die Weltgemeinschaft zu mehr Klimaschutz und zum Ausstieg aus fossilen Energien „Statt unverbindlicher Gespräche brauchen wir konkretes Handeln und verbindliche Finanzzusagen, um die Folgen des Klimawandels für die Ärmsten und Verletzlichsten abzumildern", so die Erzbischöfin. Sie sagte zu, dass die Kirche in Brasilien an der Seite der …

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SOfuture Stadtbild: Was wir verändern würden

Eine lebenswerte Stadtgesellschaft - ein Kommentar von FJ Klausdeinken

Ökologisch, sozial und gerecht Eine lebenswerte Stadtgesellschaft ist mehr als nur eine Ansammlung von Gebäuden, Straßen und Parks – sie ist ein Versprechen auf gemeinsames Leben unter gerechten Bedingungen. Ökologisch, sozial und gerecht zu sein bedeutet, die Bedürfnisse der Menschen und des Planeten zusammenzudenken. Eine ökologische Stadt Eine ökologische Stadt …

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Papst Leo: Versöhnung statt Ohnmacht bei Migration

2. Oktober 2025

In einer aktuellen Ansprache ruft Papst Leo XIV. dazu auf, die globale Migrations- und Flüchtlingslage nicht mit Resignation oder Machtlosigkeit zu betrachten, sondern mit Versöhnung, Hoffnung und engagierter Solidarität zu reagieren. Er spricht sich deutlich gegen Gleichgültigkeit und Überforderung aus und skizziert Wege, wie die Kirche, die Zivilgesellschaft und politische Akteure gemeinsam eine menschenwürdige Zukunft für Migrantinnen …

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Papst Leo: Dilexi te - Über die Liebe zu den Armen

Papst Leo hat ein erstes offizielles Lehrschreiben veröffentlicht. In der Einleitung ist zu lesen: »Ich habe dir meine Liebe zugewandt« (Offb 3,9), sagt der Herr zu einer christlichen Gemeinde, die im Gegensatz zu anderen keine Bedeutung oder Ressourcen hatte und Gewalt und Verachtung ausgesetzt war: Auch wenn »du nur geringe Kraft hast, werde ich sie kommen lassen, damit sie sich vor dir niederwerfen« (vgl. Offb 3,8-9). Dieser Text erinnert an …

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"Neue Landkarten der Hoffnung"

Apostolisches Schreiben von Papst Leo, Oktober 2025 Disegnare nuove mappe di speranza

Für eine Welt, in der Menschen nicht nur überleben, sondern in Würde, Freiheit und Gemeinschaft leben können. Das Schreiben liegt bisher nur in italienischer Sprache vor (Link) 1. Proemium: Neue Landkarten …

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Ausblick

Klimaschutz rund um den Kirchturm

Online-Fortbildung für Engagierte

Bis zum Ende des Jahres steht bei der neuen Online-Fortbildungsreihe „Klimaschutz rund um den Kirchturm“ jeden Monat ein anderer Aspekt kirchlichen Klimaschutzes im Mittelpunkt: im Juni dreht sich die Fortbildung um den Naturschutz für Vögel, Fledermäuse, Insekten & Co, im August wird dabei geholfen gesetzliche Anforderungen und Förderung zu verstehen und umzusetzen, im September werden Wärmepumpen als …

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Pink Future - hoffnungsvoll und utopisch!

18.11.2025, 19 Uhr, Heinz Nixdorf Museum, Paderborn

Die Welt ist gerade wieder oder vielleicht besonders aus den Fugen – Kriege, Krisen, Klima, alles vielfach bekannt und sehr bedrückend. Und dann gibt es auch noch in zweiter Reihe stattfindende, vielleicht gar revolutionäre Umbrüche: KI, natürlich. Und was nun? Gibt es Licht am Ende des Tunnels? Peter Fox singt: „Alle mal'n schwarz, …

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Ökumenische Konsultation 2025

22.11.25 von oikos und EKvW in Bielefeld-Bethel

Brücken des Glaubens: Ökumene als Chance in einer säkularen Welt. Wie bleiben Kirchen und Religionsgemeinschaften in einer zunehmend säkularen Welt sichtbar, glaubwürdig und gemeinsam handlungsfähig? Diese Frage steht im Mittelpunkt der diesjährigen Ökumenischen Konsultation am 22. November 2025 in Bielefeld-Bethel. Dieses Treffen findet einen Tag vor Beginn der Landessynode der Evangelischen Kirche von …

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Wie viel Fleisch verträgt die Zukunft und wie wenig toleriert unsere Gesellschaft?

Mi. 03.12.2025, 19.00 Uhr, Podiumsdiskussion >>> Präsenz und Online Global betrachtet verursacht das Ernährungssystem je nach Schätzung 20 bis 35 Prozent der anthropogenen Treibhausgasemissionen, wobei bis zu 80 Prozent auf die Tierproduktion entfallen – mit gravierenden Folgen für Umwelt und Tierwohl. Dennoch galt die Entscheidung über den Fleischkonsum traditionell als Privatsache, geprägt von kulinarischen, kulturellen oder moralischen Vorlieben. Politische Eingriffe …

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Wie viel Fleisch verträgt die Zukunft und wie wenig toleriert unsere Gesellschaft?