CC4F-Newsletter Dezember

CC4F Logo 2021-07-13 transparent_Web-Optimiert
Herzlich willkommen zur neusten Ausgabe. Diese informiert Sie über regio-lokale Entwicklungen der sozial-ökologischen Transformationsprozesse aus christlicher Perspektive.

Editoral: Ein Funke Weihnachten: Optimismus, aber realistisch

Die dunkle Jahreszeit hat begonnen und Kälte, Nässe und Dunkelheit können auf das Gemüt drücken. Wir sitzen im Warmen und Hellen – und übersehen schnell, dass genau dieses Alltägliche vor zweihundert Jahren ein Wunder gewesen wäre. Goethe fror selbst in Adelsgemächern, seine Tinte konnte gefrieren. Sauberes Wasser, medizinische Versorgung, elektrisches Licht: All das, was uns heute selbstverständlich erscheint, wäre für ihn ein kaum vorstellbarer Luxus gewesen. Unsere Gegenwart wirkt unspektakulär, doch sie ist in Wahrheit ein stiller Triumph menschlichen Erfindergeists – und ein starkes Argument für einen nüchternen Optimismus.
Optimismus hat heute einen schweren Stand. Zu oft wird er verwechselt mit Wegsehen oder Schönreden. Aber der realistische Blick zeigt: Die Menschheit hat in wenigen Generationen Herausforderungen gemeistert, die einst als unüberwindbar galten. Der Fortschritt der letzten 200 Jahre ist kein Zufall, sondern Ergebnis von Kreativität, Mut und Zusammenarbeit. Wer das erkennt, hat nicht weniger, sondern mehr Grund, optimistisch zu sein. Der Datenforscher Max Roser bringt es auf den Punkt: Die Welt ist schrecklich. Die Welt ist viel besser. Die Welt kann viel besser sein. Alle drei Sätze stimmen – gerade daraus entsteht begründeter Optimismus.

Optimismus ist keine Verdrängung, sondern eine Haltung

Gerade ChristInnen haben allen Grund, Optimismus nicht als naive Gefühlslage zu betrachten, sondern als aktive Haltung. Die Weihnachtsgeschichte beginnt im Stall, an einem der unscheinbarsten Orte, die man sich vorstellen kann. Und doch entsteht dort etwas, das die Welt verändert. Weihnachten feiert kein perfektes Idyll, sondern die Zumutung, im Kleinen das Potenzial des Großen zu erkennen. Optimismus bedeutet, genau dieses Potenzial ernst zu nehmen – in der Welt, im Fortschritt und im Menschen selbst.
Die großen technischen und gesellschaftlichen Verbesserungen der vergangenen Jahrhunderte fügen sich erstaunlich gut in diese Sichtweise: Wasserleitungen, Abwassersysteme, Elektrifizierung, moderne Medizin – sie haben still und effektiv mehr Leben gerettet als jede heroische Geste. Dass ein kleiner Schnitt heute nicht mehr lebensgefährlich ist, dass Kinder spielen dürfen statt zu arbeiten, dass die Lebenserwartung weltweit steigt: Das alles zeigt, wie viel möglich wird, wenn Menschen sich dem Fortschritt verschreiben.
Optimismus bedeutet daher nicht, Probleme kleinzureden, sondern die menschliche Fähigkeit zu Veränderung ernst zu nehmen. Er verweigert sich dem Zynismus, der behauptet: „Es hat doch alles keinen Sinn.“ Die Geschichte widerspricht diesem Satz eindrucksvoll.

Weihnachten als Erzählung des Möglichen

Die Weihnachtsbotschaft richtet den Blick nicht auf eine ferne Vergangenheit, sondern auf das Kommende. Sie ist eine Erzählung des Möglichen. Sie beginnt im Dunkeln – und schafft dennoch Licht. Dass Gott im Kind zur Welt kommt, ist kein sentimentales Motiv, sondern ein radikaler Hinweis darauf, dass Wandel oft leise beginnt. Optimismus, christlich verstanden, ist der Mut, aus kleinen Anfängen große Konsequenzen zu ziehen.
Wer die Vergangenheit betrachtet, erkennt: Die größten Fortschritte starteten unscheinbar wie die Entdeckung des Penicillins aus einer verschimmelten Petrischale. Warum sollten wir also glauben, die großen Herausforderungen unserer Zeit – Klimakrise, gesellschaftliche Spaltungen, Ressourcenfragen – seien unlösbar?

Optimismus verpflichtet

Optimismus heißt nicht abzuwarten. Er heißt, sich einzumischen. Dankbarkeit für das, was bereits gelungen ist, führt nicht zur Bequemlichkeit, sondern zur Verantwortung sich einzusetzen, auch für zukünftige Generationen. So verstanden, ist Optimismus keine milde Stimmungsaufhellung, sondern ein Auftrag. Er erinnert uns daran, wie viel möglich wurde – und wie viel möglich bleibt.
Denn die Welt ist schrecklich. Die Welt ist besser. Und sie kann besser werden. Weihnachten erzählt genau diese Bewegung – und macht Optimismus nicht nur plausibel, sondern notwendig.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern ein frohes Fest!
Quelle: Foto Kampelmann
Wenn Sie zu Weihnachten nach Lichtblicken suchen, lesen Sie doch das Buch von Axel Bojanowski: 33 erstaunliche Lichtblicke, die zeigen, warum die Welt viel besser ist, als wir denken. Mehr erfahren

Wenn Sie mehr über den Ökonom und Statistiker Max Roser und die Datenwebseite Our World in Data wissen wollen, informieren Sie sich hier (in englischer Sprache): Mehr erfahren

Vertiefende Infos

Von der billigen und teuren Hoffnung

eine theologische Betrachtung von FJ Klausdeinken

Dietrich Bonhoeffer prägte in seinem Werk Nachfolge die Unterscheidung zwischen „billiger“ und „teurer“ Gnade. Billige Gnade, so Bonhoeffer, ist die Vergebung, die man sich selbst zuspricht, ohne Umkehr, ohne Reue, ohne Veränderung des eigenen Lebens. Teure Gnade hingegen ist jene, die zwar frei geschenkt wird, aber zugleich den Menschen in die Nachfolge Christi ruft, …

Mehr erfahren
Von der billigen und teuren Hoffnung

Gaben für das Neugeborene

Impuls zum 1. Advent Bild: Herberge gesucht, Mach-mit-Herberge 2021

Was empfanden die drei Weisen damals, als sie mit ihren Gaben im Gepäck dem Stern folgten: Gold für die Würde des Kindes, Weihrauch für seine göttliche Verbundenheit, Myrrhe als Zeichen für Leid und Heilung. Jede Gabe sprach eine tiefe Wahrheit aus – über das Kind, über Gott, über das Leben. Das …

Mehr erfahren
Gaben für das Neugeborene

Weitere Themen

„Nur Mut!": Kanzelrede von Luisa Neubauer

Nachdenkliche Bonner Reformationsfeier am 31. Oktober 2025

Nachdenklich und bewegend zugleich mit Luisa Neubauer als prominente Kanzelrednerin in der zentralen Bonner Reformationsfeier am Freitag, 31. Oktober 2025, mit mehr als 1.200 Besucherinnen und Besuchern in der vollbesetzten Kreuzkirche am Kaiserplatz. Der Festgottesdienst zum Reformationstag stand unter dem Motto „Nur Mut!“. Musikalisch gestaltet vom Kammerchor VOX BONA unter Leitung von KMD Karin Freist-Wissing. Die …

Mehr erfahren
„Nur Mut!": Kanzelrede von Luisa Neubauer

„Erd-Steuer“: Ein moralischer Weckruf von Kardinal David auf der COP30

Auf der UN-Klimakonferenz COP30 im brasilianischen Belém hat Kardinal Pablo Virgilio David einen ungewöhnlichen, aber provokanten Vorschlag in die internationale Klimadebatte eingebracht: eine weltweite „Erd-Steuer“ auf fossile Brennstoffe. Die Maßnahme soll Länder verpflichten, für jedes Barrel Öl oder jede Tonne Kohle, die aus dem Boden geholt wird, einen festen Beitrag zu zahlen. Die Einnahmen sollen indigenen Gemeinschaften zugutekommen – jenen …

Mehr erfahren
„Erd-Steuer“: Ein moralischer Weckruf von Kardinal David auf der COP30

COP 30-Ergebnis: Ambitionen reichen nicht aus

Kommentar von FJ Klausdeinken

Das Ergebnis von COP 30 in Belém wird aus kirchlicher Perspektive weitgehend kritisch gesehen: Die „Ambitionen reichen noch nicht aus“, so lautet der Tenor vieler Stimmen aus Hilfswerken, Bischöfen und Jugendverbänden. Die Kirchen bringen damit ihren Unmut darüber zum Ausdruck, dass zwar symbolische Fortschritte gemacht wurden, die entscheidenden Hebel – insbesondere ein verbindlicher Ausstieg aus fossilen …

Mehr erfahren
COP 30-Ergebnis: Ambitionen reichen nicht aus

Ein Impuls aus Soest erreicht Belém

Ein Stein - eine Welle - Bewegung in Belém - eine ermutigende Geschichte

Agnes Dieckmann, Knud Vöcking von Urgewald im Kreis der CC4F und Richard Nüsken (Schlachthofkino), Sep. 2024 Der Film urgewald – auf den Spuren des Geldes, gezeigt am 08. Sep. 2024 anlässlicher der Schöpfungszeit in Soest, war Auslöser für das starke Engagement der C4F auf Bundesebene Es war ein normaler …

Mehr erfahren
Ein Impuls aus Soest erreicht Belém

CC4F unterstützt kirchlichen Klimaschutz-Appell

CC4F unterstützt kirchlichen Klimaschutz-Appell
62 kirchliche Akteure fordern wirksames und sozial gerechtes Klimaschutzprogramm von der Bundesregierung

Ein wirksames Klimaschutzprogramm für eine gerechte und lebenswerte Zukunft! Mit der heutigen Veröffentlichung des gemeinsamen Appells „Ein wirksames Klimaschutzprogramm“ setzt ein breites Bündnis christlicher Akteure ein deutliches Signal an Politik und Gesellschaft. Wir fordern gemeinsam mit über 60 kirchlichen Akteuren ein ambitioniertes, wirksames und sozial gerechtes Klimaschutzprogramm von der …

Mehr erfahren

Größte Divestment-Initiative kirchlicher Institutionen aus Deutschland

Mit dem Ausschluss fossiler Geldanlagen senden kirchliche Institutionen starkes Signal an die Weltklimakonferenz

PRESSEMITTEILUNG der C4F - Größte Divestment-Initiative Deutschlands

Kein Geld für fossile Unternehmen!Der Film urgewald, Programmpunkt der Schöpfungszeit 2024 in Soest, war Auslöser für das starke Engagement der C4F auf Bundesebene Berlin, 18. November 2025 – Anlässlich der Weltklimakonferenz (COP30) in Belém, Brasilien, verkünden 46 große kirchliche Institutionen aus Deutschland ihren …

Mehr erfahren
Größte Divestment-Initiative kirchlicher Institutionen aus Deutschland

Klimakrise. Krieg. Pandemie. In Krisen leiden Frauen

25.11. Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen Klimakrise. Krieg. Pandemie.

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie tiefgreifend globale und regionale Krisen Gesellschaften erschüttern können. Doch während die Auswirkungen alle Menschen treffen, sind Frauen und Mädchen in besonderem Maße betroffen. Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen rückt diese Realität leider erneut in den Fokus. Krisen verschärfen bestehende Ungleichheiten. Schon vor globalen …

Mehr erfahren
Klimakrise. Krieg. Pandemie. In Krisen leiden Frauen

Verkündigungspreis 2026: Zukunftstisch Soest ist nominiert

Bergmoser + Höller Stiftung für Christen mit Einsatz und Mut

Bergmoserhoeller: Das Projekt "Zukunftstisch Soest" ist zum Verkündigungspreis 2026 nominiert. Es widmet sich in 2026 zusammen mit weltlichen Akteuren den 17 Nachhaltigkeitszielen. Hierbei werden insbesondere die SDGs2: Hunger und 3: Gesundheit und Wohlergehen fokussiert. Bereits 2025 hat es ein Projekt „Zukunft schmeckt – Ernährung im Klimawandel“ gegeben, das gezeigt hat, …

Mehr erfahren
Verkündigungspreis 2026: Zukunftstisch Soest ist nominiert

Ökumenisches Kooperationsprojekt „nachhaltig predigen“ wird 20

Predigtanregungen und Impulse auch für Religionsunterricht und Erwachsenenbildung Bibeltexte in den globalen Zusammenhang nachhaltigen Lebens und Handelns einzuordnen, das hat sich das ökumenische Kooperationsprojekt „nachhaltig predigen“ zur Aufgabe gemacht. Jeweils zum neuen Kirchenjahr – beginnend mit ersten Advent – erscheinen online seit 2005 Anregungen für Predigten und geistige Impulse, die die Wurzeln nachhaltigen Lebensstils und Miteinanders in der Bibel aufzeigen. …

Mehr erfahren
Ökumenisches Kooperationsprojekt „nachhaltig predigen“ wird 20

„Weihnachten Weltweit“- Hilfs- Entwicklungswerke veröffentlichen ökumenisches Bildungsmaterial für Kitas

religiöse Bildung für Nachhaltige Entwicklung (rBNE)

„Weihnachten Weltweit“ - dafür treten das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat, das Entwicklungswerk Brot für die Welt, Misereor und das Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ auch in diesem Jahr an. Gemeinsam haben die drei Hilfswerke und das Entwicklungswerk Bildungsmaterial für Kindergärten und Kindertagesstätten in Deutschland entwickelt. Die ökumenische Aktion bietet Kita-Leitungen die Möglichkeit, gemeinsam mit ihren Kita-Kindern Weihnachten in …

Mehr erfahren
„Weihnachten Weltweit“- Hilfs- Entwicklungswerke veröffentlichen ökumenisches Bildungsmaterial für Kitas

Kirche und Biodiversität – Verantwortung für die Schöpfung

Neue Broschüre gibt praktische Anregungen: Die Broschüre liefert praxisnahe Ideen für mehr Artenvielfalt in Kirchengemeinden. Die Bewahrung der Schöpfung gehört zu den zentralen Aufgaben des christlichen Glaubens. Kirchen tragen Verantwortung für den Schutz der Natur – und sie haben viele Möglichkeiten, dieser Verantwortung im eigenen Umfeld gerecht zu werden. Ob durch das Anbringen von Nistkästen an Kirchengebäuden, die naturnahe Gestaltung von …

Mehr erfahren
Kirche und Biodiversität – Verantwortung für die Schöpfung

Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick

Evangelische Friedensethik angesichts neuer Herausforderungen

Mit der neuen Denkschrift „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“ legt die EKD im November 2025 ein wichtiges ethisches Orientierungsdokument vor. Sie geht davon aus, dass wir in einer Welt leben, die zunehmend unruhig, komplex und unübersichtlich geworden ist — eine Welt nämlich „in Unordnung“. Die Herausforderung lautet: Wie kann eine christlich-fundierte Friedensethik …

Mehr erfahren
Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick

Von Donuts und Baguettes - soziale und ökologische Belastungsgrenzen am Limit

Aktualisierung des Donut-Modells für soziale und planetare Belastungsgrenzen (doughnuteconomics.org)

Der Überblick zum Donut-Modell: Das Donut-Modell, entwickelt von der Ökonomin Kate Raworth, bietet ein neues Leitbild für nachhaltige Entwicklung. Es zeigt, wie menschliches Wohlbefinden mit den ökologischen Grenzen unseres Planeten in Einklang gebracht werden kann. Der Donut steht dabei symbolisch für einen „sicheren und gerechten Handlungsraum“: Im inneren Kreis liegen die …

Mehr erfahren
Von Donuts und Baguettes - soziale und ökologische Belastungsgrenzen am Limit

Ausblick

KI, Wärmepumpe, Foodsharing und vieles mehr

Jetzt anmelden für die "Nachhaltige Erzdiözese" 2026! Vier Jahre und über 1.000 Teilnehmende in den Online-Veranstaltungen der Nachhaltigen Erzdiözese – auch im Jahr 2026 erwarten Sie spannende Referentinnen und Referenten in der Online-Vortragsreihe "Nachhaltige Erzdiözese" mit vielfältigen Beiträgen zum Thema Nachhaltigkeit! Im Januar machen wir den Auftakt mit Lena Winter vom Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft und …

Mehr erfahren
KI, Wärmepumpe, Foodsharing und vieles mehr