CC4F-Newsletter März 2026

CC4F Logo 2021-07-13 transparent_Web-Optimiert
Herzlich willkommen zur neusten Ausgabe. Diese informiert Sie über regio-lokale Entwicklungen der sozial-ökologischen Transformationsprozesse aus christlicher Perspektive.

Editorial: Wieviel ist genug? Ressourcen für ein nachhaltiges Leben


1972 veröffentlichte der Club of Rome seinen Bericht Die Grenzen des Wachstums. Er zeigte, was seither vielfach bestätigt wurde: Unbegrenztes Bevölkerungs-, Industrie- und Wirtschaftswachstum auf einem endlichen Planeten führt früher oder später in ökologische und ökonomische Krisen – sofern kein grundlegendes Umsteuern gelingt. Der Bericht fand weltweite Beachtung, doch er bremste das Streben nach immer mehr Wachstum kaum.
Die Frage „Wieviel ist genug?“ passt schlecht in eine Zeit, die auf Beschleunigung getaktet ist: Push-Nachrichten, Wachstumsraten, Effizienzsteigerungen – und der stillschweigende Konsens, dass mehr grundsätzlich besser sei. Und doch drängt sich diese Frage heute auf wie kaum eine andere. Wieviel ist genug an Wohlstand, an Konsum, an Ressourcenverbrauch? Genug für ein gutes Leben – und genug angesichts einer Erde, die ihre Belastungsgrenzen längst überschritten hat.

Innehalten statt immer weiter

Die ökumenische Aktion des Klimafastens lädt zum Innehalten ein. Jahr für Jahr zwischen Aschermittwoch und Ostern fordert sie dazu auf, Gewohnheiten zu überprüfen: Was brauche ich wirklich? Wovon habe ich genug? Und was ist längst zu viel?
Empirische Studien wie der World Happiness Report zeigen seit Langem, dass die Lebenszufriedenheit ab einem bestimmten Einkommensniveau kaum noch steigt. Alle Industrieländer liegen längst jenseits dieser Schwelle. Entscheidend für das Wohlergehen der Bevölkerung werden vielmehr Fragen der Verteilung und der sozialen Ungleichheit.

Die Psychologie des Genug

Vertraut man der Glücksforschung, der positiven Psychologie und der Umweltpsychologie, streben Menschen nicht primär nach materiellem Zuwachs, sondern nach drei grundlegenden Erfahrungen: nach Genuss, nach gelingendem Handeln und nach Sinn. Diese Dimensionen – Genuss, Zielerreichung und Sinn – erzeugen jeweils eigene positive Emotionen: Freude, Stolz, Zufriedenheit, Zugehörigkeit, Vertrauen. Und sie können Nachhaltigkeit emotional verankern.
Der Psychologe Marcel Hunecke hat in diesem Zusammenhang sechs psychische Ressourcen beschrieben, die auch durch das Klimafasten gestärkt werden. Sie wirken nicht direkt auf das Umweltverhalten, sondern verändern die inneren Maßstäbe, mit denen Menschen ihre Lebensführung bewerten.
Fast provokant erscheint dabei die Betonung der Genussfähigkeit. Statt Verzicht predigt sie Intensität. Wer gelernt hat, sinnliche Erfahrungen bewusst wahrzunehmen, braucht weniger davon. Ein aufmerksam genossenes Essen ersetzt die gedankenlose Anhäufung von Konsumreizen. Genuss wird qualitativ, nicht quantitativ – und „weniger“ kann tatsächlich „mehr“ sein, ohne als Verlust empfunden zu werden.
Selbstakzeptanz schützt vor kompensatorischem Konsum, vor dem Versuch, innere Unsicherheiten durch äußeren Besitz zu überdecken. Wer sich selbst annimmt, muss sich nicht ständig über Statussymbole bestätigen. Ergänzt wird dies durch Selbstwirksamkeit: den Glauben, mit dem eigenen Handeln etwas bewirken zu können. Nachhaltigkeit erscheint dann nicht mehr als folgenlose Geste, sondern als Teil einer wirksamen Selbstbeschreibung.
Eine Schlüsselrolle spielt die Achtsamkeit. Sie unterbricht Routinen, macht automatisierte, ressourcenintensive Verhaltensweisen sichtbar und eröffnet Wahlmöglichkeiten. Achtsamkeit ist keine esoterische Übung, sondern eine Form geistiger Selbstermächtigung im Alltag.
Die letzten beiden Ressourcen gehören zur Sinn-Dimension. Sinnstiftung erlaubt es, das eigene Handeln in größere Zusammenhänge einzuordnen – jenseits kurzfristiger Bedürfnisbefriedigung. Solidarität schließlich erweitert den Blick vom individuellen Glück hin zur kollektiven Verantwortung. Nachhaltigkeit wird so nicht als moralische Last erlebt, sondern als Ausdruck von Zugehörigkeit und gemeinsamem Handeln.

Genug als Befreiung

Was also, wenn wir den Blick wechseln? Wenn Nachhaltigkeit und Suffizienz nicht gegen menschliche Bedürfnisse durchgesetzt, sondern aus ihnen heraus neu gedacht würden? Gerade die christliche Ethik fragt nicht nur nach dem Erlaubten, sondern nach dem Guten. Sie denkt in Beziehungen: zwischen Freiheit und Begrenzung, zwischen Individuum und Gemeinschaft, zwischen Mensch und Schöpfung.
Das Klimafasten eröffnet die Erfahrung, dass weniger Konsum mehr Lebensqualität bedeuten kann. Vielleicht liegt hier ein Schlüssel für die große Transformation: genug nicht als Verlust zu begreifen, sondern als Befreiung. Und diese Haltung mitzunehmen – über die Fastenzeit hinaus, hinein in den Alltag und in die politischen Entscheidungen, die vor uns liegen. Klimafasten beginnt mit einer Frage. Und es endet mit einer Haltung.
Quelle: Foto von Ulrike Kampelmann (zu den psychologischen Ressourcen für Nachhaltigkeit v. Marcel Hunecke)

Vertiefende Infos

Klimafasten in Soest: So viel du brauchst

Wenn Sie sich über das Klimafasten allgemein informieren wollen Mehr lesen

Wenn Sie mehr über die Psychologie der Nachhaltigkeit wissen möchten, ist das Buch von Marcel Hunecke "Psychologie der Nachhaltigkeit: Vom Nachhaltigkeitsmarketing zur sozial-ökologischen Transformation" zu empfehlen. Mehr lesen

Sie interessieren sich für den World Happiness Report Mehr lesen

Fasten für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit

❤️liche Einladung zum Treffen in der Fastenzeit. Gemeinsam wollen wir innehalten und entdecken, wie wir achtsam, gerecht und erfüllt leben können. Im Austausch und gemeinsamen Erproben suchen wir nach dem, was wir wirklich brauchen – für uns, für andere und die Schöpfung. Wir treffen uns 5x donnerstags um 19:30 im Petrushaus in Soest. Die Inhalte …

Mehr erfahren
Klimafasten: So viel du brauchst

Vom Klimafasten zum Systemwandel

Vom Klimafasten zum Systemwandel
Von der individuellen Praxis zur kollektiven Transformation: Mit der Fastenzeit verbinden viele Menschen traditionelle Rituale der Besinnung und des Verzichts. In den letzten Jahren hat sich daraus auch das Klimafasten entwickelt – eine bewegende ökumenische Initiative, die den christlichen Fastenimpuls auf die ökologische Krise überträgt. Doch was bedeutet Klimafasten wirklich, und wie lässt sich daraus ein Impuls für weitreichende gesellschaftliche …

Mehr erfahren

Was Menschen wirklich zum Klima-Handeln bewegt

Eine groß angelegte internationale Verhaltensstudie mit über 30.000 Teilnehmenden hat genau das untersucht. Ziel war es herauszufinden, welche Botschaften und Interventionen Menschen tatsächlich dazu bringen, sich öffentlich, politisch und finanziell für Klimaschutz einzusetzen – also nicht nur zuzustimmen, sondern aktiv zu werden.

Das Ergebnis ist ermutigend:
Menschen lassen sich sehr wohl mobilisieren – wenn man sie richtig anspricht …
Mehr erfahren
Was Menschen wirklich zum Klima-Handeln bewegt

Weitere Themen

Debatte zur Zukunft des Sozialstaates

Zusammenhalt durch Reformen sichern. Impulse für einen gerechten und verlässlichen Sozialstaat

Die Kirche versteht sich als Anwältin der Schwachen Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ (Hildesheim), Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz, hat bei der Vorstellung des Dokumentes in der Bundespressekonferenz am 11. Dezember 2025 für einen „gerechten und verlässlichen Sozialstaat, der den Zusammenhalt in unserer …

Mehr erfahren
Debatte zur Zukunft des Sozialstaates

Klimaschutzprogramm der Bundesregierung unzureichend

Kommentar zum Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwG) vom 29.01.26

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat das Klimaschutzprogramm 2023 der Bundesregierung als rechtlich unzureichend eingestuft. Das Programm enthält nach Auffassung des Gerichts nicht genügend konkrete und wirksame Maßnahmen, um das gesetzlich festgelegte Klimaziel für 2030 – eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um mindestens 65 % gegenüber 1990 – zu erreichen. Die Bundesregierung ist nun …

Mehr erfahren
Klimaschutzprogramm der Bundesregierung unzureichend

Wie KI unser Stadtbild der Zukunft entwirft

Ein Experiment zur politischen Imagination. Stadtbilder sind nicht nur Kulissen unseres Alltags, sondern Ausdruck politischer Leitlinien, sozialer Orientierungen und infrastruktureller Prioritäten. Doch wie sähe unsere Stadt aus, wenn die Visionen politischer Parteien konsequent umgesetzt würden? Genau diese Frage hat das Institut für Demokratie und Künstliche Intelligenz (IDemKI) aus Tübingen mit einem kreativen, medienkritischen Projekt beantwortet – mittels künstlicher Intelligenz (KI). …

Mehr erfahren
Wie KI unser Stadtbild der Zukunft entwirft

Gemeinsam Wärme schaffen – für das Mehrgenerationenhaus in Bad Sassendorf

Für die geplante PV-Anlage mit Wärmepumpe werden Sponsoren gesucht. Der Werkzeugkoffer steht schon bereit. Immer griffbereit im Keller des Mehrgenerationenhauses (MGH) in Bad Sassendorf. Denn jederzeit könnte die alte Gastherme wieder ausfallen. Drei größere Störungen hat es bereits gegeben. Ersatzteile für die Anlage aus den 1990er-Jahren sind kaum noch zu bekommen. Nur mit viel Glück und Improvisation konnte die …

Mehr erfahren
Gemeinsam Wärme schaffen – für das Mehrgenerationenhaus in Bad Sassendorf

Grundsätze für eine ökologisch faire Beschaffung in Kirchengemeinden

Selbstverpflichtung der Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) . EKvW

Evangelische Kirchengemeinde verpflichten sich zur Bewahrung der Schöpfung und zur Förderung des Klimaschutzes Die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) nimmt mit den Grundsätzen für eine ökologisch faire Beschaffung eine klare Position ein, wie Kirchengemeinden ihrer Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung und den Klimaschutz gerecht werden können. Diese Beschaffungsrichtlinie dient …

Mehr erfahren
Grundsätze für eine ökologisch faire Beschaffung in Kirchengemeinden

Eine Welt im Kollaps - rettende Kirche?

Kirche zwischen Prophetie und Hoffnung . Eine Welt, die auseinanderzufallen scheint, stellt die Frage nach der Rolle der Kirche neu: Ist sie Teil des Problems – oder gerade jetzt ein Ort der Rettung, des Trosts und der Orientierung Klimakrise, Artensterben, Kriege, fragile Lieferketten und eine verunsicherte Demokratie ergeben das Bild einer Welt, die „aus dem Tritt“ geraten ist. Viele Menschen erleben …

Mehr erfahren
Eine Welt im Kollaps - rettende Kirche?

Die Kirchen als Hüterinnen des Friedens

Ein Kommentar anlässlich der Münchner Sicherheitskonferenz . Gerechtigkeit, Anerkennung, Versöhnung und gegenseitige Achtung

Kirchen und Religionsgemeinschaften spielen traditionell eine zentrale Rolle im Friedensdiskurs: Sie erinnern an die Würde jedes Menschen, betonen die gemeinsame Herkunft aller Völker aus der einen göttlichen Schöpfung und sprechen ethische Maßstäbe aus, die das politische und wirtschaftliche Handeln hinterfragen. In diesem Horizont verstanden ist Frieden mehr …

Mehr erfahren
Die Kirchen als Hüterinnen des Friedens

Frieden suchen in konfliktreichen Zeiten

Schrift von J. Corneliums-Bundschuh, J. Geldemeister, K. Butting (Hrsg.)

Die von Jochen Cornelius-Bundschuh, Jan Gildemeister und Klara Butting herausgegebene Broschüre ist ein engagierter und zugleich differenzierter Beitrag zur gegenwärtigen friedensethischen Debatte. Sie erscheint in einer Zeit sicherheitspolitischer Umbrüche, zunehmender Militarisierung und globaler Mehrfachkrisen – und positioniert sich bewusst gegen eine Verkürzung von „Sicherheit“ auf militärische Stärke. Inhaltliche Ausrichtung Zentral ist …

Mehr erfahren
Frieden suchen in konfliktreichen Zeiten

Humanitäre Hilfe für die Ukraine

Humanitäre Hilfe für die Ukraine
Aufruf von Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas international

Seit dem Beginn des groß angelegten Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine im Februar 2022 befindet sich das Land in einer andauernden humanitären Notlage. Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen: viele fliehen ins Ausland, andere bleiben als Binnenvertriebene innerhalb der Ukraine und suchen Sicherheit in weniger umkämpften Regionen. Die Infrastruktur, insbesondere Energie-, Wasser- und …

Mehr erfahren

Lasst die Waffen schweigen!

Ein Aufruf zum Frieden in einer zerrissenen Welt

Am 24. Februar 2022 begann der umfassende Krieg in der Ukraine, als russische Truppen in das Nachbarland einmarschierten. Vier Jahre danach ist dieser Konflikt zu einem Symbol der massiven Zerstörung, des menschlichen Leids und der geopolitischen Spannungen geworden. Vor diesem Hintergrund hat Papst Leo XIV bei seinem Angelusgebet am 22. Februar 2026 …

Mehr erfahren
Lasst die Waffen schweigen!

Wasser – Würde – Ökologische Spiritualität

reliGlobal Globales Lernen im Religionsunterricht für die Klassen 7 bis 9 . Neue Materialien zu Wasser, Natur, Gerechtigkeit und Spiritualität

Wie verändert sich unser Blick auf Umweltkrisen, wenn wir Natur nicht nur als Ressource sehen, sondern ihr Würde und eigene Rechte zusprechen – und zugleich eine tiefe spirituelle Verbindung zu ihr entwickeln? Bildungsmaterialien von reliGlobal und Reli fürs Klima eröffnen …

Mehr erfahren
Wasser – Würde – Ökologische Spiritualität

Ausblick

#VerständigungsOrte: Startbox zeigt Methoden für Dialogräume

10. März um 12:00 Uhr

Kirche schafft Orte der Begegnung und Stärkt den demokratischen Zusammenhalt. Dialog statt Polarisierung: Mit der neuen Startbox der Initiative #VerständigungsOrte können Gemeinden und Einrichtungen im Superwahljahr 2026 Gesprächsräume schaffen. Die Box bietet Methoden, Materialien sowie einen direkt umsetzbaren Ablauf. Vorgestellt wird die Startbox am 10. März um 12:00 Uhr in …

Mehr erfahren
#VerständigungsOrte: Startbox zeigt Methoden für Dialogräume

Neues vom Grünen Hahn

21.03.2026 Fachtag Kirchliches Umweltmanagement in Jena

Kirchenorte sind keine Inseln, sondern Teil eines Sozialraumes, der die kirchliche Arbeit beeinflusst und in den sie hineinwirken wollen. Einen wichtigen Teil des Umweltmanagementsystems Grüner Hahn stellt deshalb die Umfeldanalyse dar, die Chancen und Risiken für die Umweltarbeit in den Blick nimmt. Anhand von praktischen Beispielen wird der Wert und die Handhabung dieses etwas sperrigen Werkzeuges …

Mehr erfahren
Neues vom Grünen Hahn