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CC4F-Newsletter Oktober 2026

Herzlich willkommen zur neusten Ausgabe. Diese informiert Sie über regio-lokale Entwicklungen der sozial-ökologischen Transformationsprozesse aus christlicher Perspektive.
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Editorial: Unser tägliches Brot – aber nicht für alle

An Erntedank sind die Altäre reich gedeckt. Kürbisse leuchten neben Äpfeln, Ähren stehen in Bündeln, zwischen Kartoffeln und Weintrauben liegt ein Laib Brot. Die Natur hat gegeben, die Menschen haben geerntet, die Gemeinde sagt Danke. Es ist ein Fest der Fülle – und vielleicht gerade deshalb eines, bei dem sich besonders leicht übersehen lässt, dass diese Fülle längst nicht allen gehört. „Unser tägliches Brot gib uns heute“, beten Christinnen und Christen. Ein vertrauter Satz, oft beiläufig gesprochen. Doch rund um den Welternährungstag am 16. Oktober gewinnt er eine unbequeme Aktualität. Der jüngste Welternährungsbericht der Vereinten Nationen enthält zunächst eine gute Nachricht: Der weltweite Hunger ist zum dritten Mal in Folge zurückgegangen. Dennoch litten 2025 rund 645 Millionen Menschen an Hunger; 2,69 Milliarden konnten sich keine gesunde Ernährung leisten. Fast jeder dritte Mensch.

Hunger ist selten nur eine Frage der Ernte

Diese Zahlen beschreiben zwei unterschiedliche Formen des Mangels. Wer nicht hungert, ist noch lange nicht gut ernährt. Ein voller Magen sagt wenig darüber aus, ob ein Kind genügend Vitamine und Eiweiß bekommt, ob eine Familie regelmäßig Obst und Gemüse kaufen kann oder ob eine ausgewogene Mahlzeit nicht längst am Preis scheitert. Gerade nährstoffreiche Lebensmittel sind vielerorts so teuer geworden, dass gesunde Ernährung zum Privileg wird.
Dabei produziert die Welt grundsätzlich genug Nahrung. Das Problem liegt weniger in der Menge als in der Frage, wer Zugang zu ihr hat. Brot für die Welt weist seit Jahren darauf hin, dass Menschen hungern, weil ihnen Einkommen fehlt, um Lebensmittel zu kaufen, oder weil sie nicht über die Mittel verfügen, selbst ausreichend Nahrung zu erzeugen. Wer Landwirtschaft betreibt, braucht Land, Wasser und Saatgut, aber ebenso sichere Rechte, funktionierende Märkte und ein Einkommen, von dem sich leben lässt. Ausgerechnet jene Menschen, die Lebensmittel anbauen, gehören deshalb vielerorts selbst zu denjenigen, deren Ernährung nicht gesichert ist.
Hinzu kommt die Klimakrise, die bestehende Ungleichheiten verschärft. Dürren lassen Ernten verdorren, Überschwemmungen zerstören Felder, Wetterextreme können innerhalb weniger Stunden die Lebensgrundlage einer Familie vernichten. Besonders hart trifft das diejenigen, die ohnehin wenig besitzen und steigende Lebensmittelpreise kaum auffangen können. Klimaschutz ist deshalb nicht nur eine Frage von Emissionen und Temperaturkurven; er ist auch eine Frage danach, wer morgen noch etwas zu essen hat.

Dankbarkeit, die Folgen hat
Was also bedeutet all das für einen reich geschmückten Erntedankaltar in Deutschland? Vielleicht zunächst, dass Dankbarkeit nicht bei der eigenen Fülle stehen bleiben darf. Im christlichen Verständnis gehören Danken und Teilen zusammen. Der Zugang zu ausreichender und guter Nahrung ist kein Akt der Mildtätigkeit, sondern ein Menschenrecht. Es geht daher ebenso um faire Einkommen, den Zugang zu Land und Wasser, um klimaangepasste Landwirtschaft und politische Rahmenbedingungen, die gesunde Nahrung bezahlbar machen. Nicht nur die Früchte müssen gerechter verteilt werden; auch die Bedingungen, unter denen sie wachsen, geerntet, gehandelt und verkauft werden, stehen zur Debatte.

Die Zumutung des „uns“

Das Vaterunser enthält dafür einen bemerkenswerten Gedanken. Es heißt nicht: Gib mir mein tägliches Brot. Es heißt: Gib uns unser tägliches Brot. Dieses kleine Wort „uns“ sprengt die Grenzen des Privaten. Es meint mehr als die eigene Familie, die eigene Gemeinde oder das eigene Land. Es schließt Menschen ein, deren Teller wir nicht sehen, deren Namen wir nicht kennen und die weit entfernt leben.
Vielleicht liegt darin die eigentliche Zumutung des Erntedankfestes. Es erlaubt uns, die Fülle zu feiern – aber nicht, den Mangel zu vergessen. Dankbarkeit wird dann mehr als ein warmes Gefühl; sie wird zu einer Frage an unser Handeln und an die Verhältnisse, die wir hinnehmen oder verändern. Denn solange das tägliche Brot nicht für alle reicht, bleibt dieses kleine Wort „unser“ auch ein uneingelöstes Versprechen.
Foto von Kate Remmer auf Unsplash
Wenn Sie sich intensiver mit dem Welternährungsbericht 2026 beschäftigen möchten, finden Sie ihn (in englischer Sprache) hier Mehr lesen

Vertiefende Infos

Auch in Soest engagieren sich verschiedene Initiativen dafür, Lebensmittel zu retten, Menschen mit geringem Einkommen zu unterstützen und durch fairen Handel zu mehr globaler Ernährungsgerechtigkeit beizutragen.
Die Soester Tafel e.V. sammelt überschüssige Lebensmittel und gibt sie an Menschen mit geringem Einkommen weiter; außerdem bietet sie Frühstück und einen sehr günstigen Mittagstisch an. Mehr lesen
Der Eine-Welt-Laden „So fair“ zeigt mit fair gehandelten Lebensmitteln wie Kaffee, Tee, Schokolade oder Gewürzen, wie eng unsere Ernährung mit den Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen verbunden ist, die diese Produkte anbauen und herstellen. Mehr lesen

foodsharing Soest setzt dagegen in erster Linie bei der Lebensmittelverschwendung an: Gerettete Lebensmittel werden unabhängig von Bedürftigkeit kostenlos weitergegeben. In Soest gibt es inzwischen mehrere öffentliche Fairteiler Mehr lesen

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