Welternährungstag: Genug für alle – aber nicht für alle genug

Kommentar von FJ Klausdeinken

Hunger ist kein Schicksal. Ernährungsgerechtigkeit braucht Frieden, Klimaschutz und politische Verantwortung

Am 16. Oktober erinnert der Welternährungstag daran, dass das Recht auf Nahrung für Millionen Menschen nicht verwirklicht ist. Dabei werden weltweit genügend Lebensmittel produziert, um alle Menschen zu ernähren. Dennoch mussten 2024 rund 673 Millionen Menschen hungern. Das Problem ist nicht allein die Menge der Nahrung, sondern vor allem Armut, Ungleichheit und der fehlende Zugang zu Lebensmitteln. Misereor

Hunger hat Ursachen – und diese sind veränderbar. Kriege und Vertreibung zerstören Lebensgrundlagen, steigende Lebensmittelpreise verschärfen die Not. Dürren, Überschwemmungen und andere Folgen der Klimakrise gefährden Ernten und Einkommen. Besonders betroffen sind Menschen, die am wenigsten zu diesen Krisen beigetragen haben.

Kirchliche Hilfswerke wie Brot für die Welt und Misereor machen deshalb deutlich: Nothilfe ist unverzichtbar, reicht aber allein nicht aus. Es braucht langfristige Veränderungen der globalen Ernährungs- und Agrarsysteme. Kleinbäuerliche Betriebe müssen gestärkt, natürliche Lebensgrundlagen geschützt und faire Einkommen ermöglicht werden. Gesunde Ernährung darf kein Privileg der Wohlhabenden sein. Sie ist ein Menschenrecht. Brot für die Welt und Misereor

Ernährungsgerechtigkeit beginnt auch bei uns. Was wir einkaufen, essen und wegwerfen, hat Auswirkungen über unseren eigenen Alltag hinaus. Eine stärker pflanzenbetonte Ernährung, regionale und saisonale Lebensmittel, weniger Lebensmittelverschwendung und faire Handelsbeziehungen können dazu beitragen, Ressourcen zu schonen und gerechtere Strukturen zu fördern. Dabei geht es nicht darum, die Verantwortung allein den Verbraucherinnen und Verbrauchern zuzuschieben. Politik und Wirtschaft müssen die Rahmenbedingungen für nachhaltige und faire Ernährung schaffen.

Aus christlicher Sicht ist die Überwindung des Hungers Ausdruck gelebter Nächstenliebe und konkreter Schöpfungsverantwortung. Die Würde jedes Menschen endet nicht an nationalen Grenzen. Wer sich für Frieden, Klimagerechtigkeit und den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen einsetzt, arbeitet zugleich an den Voraussetzungen für eine Welt ohne Hunger.

Genug für alle ist möglich. Dafür braucht es mehr als gute Absichten: solidarisches Handeln, verlässliche internationale Zusammenarbeit und politische Entscheidungen, die das Recht auf Nahrung über kurzfristige Gewinninteressen stellen. Der Welternährungstag ist deshalb nicht nur ein Anlass zum Nachdenken, sondern ein Auftrag zum Handeln.

FJ Klausdeinken