Völkerrecht verpflichtet zum Klimaschutz: Eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt ist Menschenrecht – auch aus christlicher Sicht

Zum Gutachten des Internationalen Gerichtshof (IGH) vom 23.07.25

Alle Staaten dieser Erde verpflichtet sind, das 1,5 Grad Klimaziel einzuhalten.

Verletzt ein Staat eine seiner Pflichten zum Klimaschutz, stellt das eine völkerrechtswidrige Handlung dar und der Staat kann zur Verantwortung gezogen werden.

Staaten sind völkerrechtlich verpflichtet, aktiv gegen den Klimawandel vorzugehen. Eine „saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt“ wurde in einem wegweisenden Gutachten des Internationalen Gerichtshof (IGH) ausdrücklich als Menschenrecht anerkannt. Damit rückt der weltweite Kampf gegen die Klimakrise noch stärker in den Rahmen rechtlicher und moralischer Verpflichtungen – nicht nur politisch, sondern auch ethisch und theologisch.

Völkerrechtliche Verantwortung und Gerechtigkeit

Das Gutachten des IGH folgt einem Antrag der UN-Vollversammlung von 2023. Es klärt, welche rechtlichen Verpflichtungen Staaten beim Schutz des Klimasystems haben und welche Konsequenzen daraus resultieren. Besonders brisant: Staaten, deren Versäumnisse anderen Ländern erheblichen Schaden zufügen, könnten künftig für diese Schäden haftbar gemacht werden – bis hin zu Reparationen. Das bedeutet konkret: Industriestaaten, die historisch große Mengen an Treibhausgasen ausgestoßen haben, könnten zur Verantwortung gezogen werden, etwa gegenüber kleinen Inselstaaten, die existenziell vom steigenden Meeresspiegel bedroht sind.

Der Klimaschutz als Menschenrecht

Die Anerkennung einer intakten Umwelt als Menschenrecht ist ein Paradigmenwechsel. Sie bedeutet, dass Staaten nicht nur politisch motiviert handeln sollten, sondern rechtlich gebunden sind, Klima und Umwelt zu schützen – im Sinne des Schutzes der Würde jedes einzelnen Menschen. Klimagerechtigkeit wird damit zur Frage der Menschenrechte: Wer nichts tut, verletzt diese Rechte.

Christliche Perspektiven: „Unser gemeinsames Haus“

Auch aus christlicher Sicht ist der Schutz der Schöpfung kein Nebenschauplatz, sondern ein zentraler Auftrag. Papst Franziskus hat in seiner Enzyklika „Laudato Si’“ (2015) eindringlich darauf hingewiesen, dass der Mensch für die Bewahrung der Erde Verantwortung trägt. Die Umweltkrise sei nicht nur ein ökologisches, sondern ein zutiefst soziales und spirituelles Problem. In „Laudato Si’“ heißt es:

„Die Erde, unser Haus, scheint sich immer mehr in eine riesige Mülldeponie zu verwandeln.“
Papst Franziskus ruft darin zu einer „ökologischen Umkehr“ auf – zu einem Lebensstil, der auf Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Gemeinwohl ausgerichtet ist.

Im Nachfolgedokument, dem päpstlichen Schreiben „Laudate Deum“ (2023), warnt Franziskus noch deutlicher vor dem Zögern der internationalen Gemeinschaft. Er kritisiert die Trägheit vieler politischer Akteure und mahnt zum sofortigen Handeln. Der Papst verweist darauf, dass „die technokratische Illusion“ – also der Glaube, dass allein technische Lösungen genügen – nicht ausreiche, um die Erderwärmung zu stoppen. Es brauche ethische Verantwortung, internationale Solidarität und eine Umkehr des Herzens.

Die Kirchen als Stimme der Hoffnung und Mahnung

Kirchliche Organisationen weltweit engagieren sich zunehmend für Klimagerechtigkeit. Auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) fordert in ihren Stellungnahmen konkrete Maßnahmen für mehr Klimaschutz – auf politischer wie individueller Ebene. Der Schutz der Schwächsten, die Bewahrung der Schöpfung und der verantwortungsvolle Umgang mit den Ressourcen sind fest im christlichen Ethos verankert.

Fazit

Die Anerkennung einer sauberen, gesunden und nachhaltigen Umwelt als Menschenrecht durch den Internationalen Gerichtshof ist ein Meilenstein. Sie macht deutlich, dass Klimaschutz kein freiwilliger Beitrag zum Gemeinwohl ist, sondern eine Pflicht – rechtlich, ethisch und aus christlicher Sicht auch spirituell.

Die Kirchen können und sollten dabei eine wichtige Rolle spielen: Als Mahner, als Vermittler von Hoffnung, aber auch als treibende Kraft für eine weltweite „ökologische Umkehr“. Der Schutz des Klimas ist nicht nur eine Frage des Überlebens – er ist eine Frage der Gerechtigkeit und der Menschenwürde. Oder, wie Papst Franziskus es formuliert: „Alles ist miteinander verbunden.“

Quellen:
www.evangelisch.de (Link)
www.lto.de/recht (Link)
zum Gutachten auf www.icj-cij.org (pdf)