Meta-Sudie mit mehr als 30.000 Teilnehmenden

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A megastudy of behavioral interventions to catalyze public, political, and financial climate advocacy (Link)
Abstract: Addressing climate change depends on large-scale system changes, which require public advocacy. Here, we identified and tested 17 expert-crowdsourced theory-informed behavioral interventions designed to promote public, political, and financial advocacy in a large quota-matched sample of US residents (n = 31,324). The most consistently effective intervention emphasized both the collective efficacy and emotional benefits of climate action, increasing advocacy by up to 10 percentage points. This was also the top intervention among participants identifying as Democrats. Appealing to binding moral foundations, such as purity and sanctity, was also among the most effective interventions, showing positive effects even among participants identifying as Republicans. These findings provide critical insights to policymakers and practitioners aiming to galvanize the public behind collective action and advocacy on climate change with affordable and scalable interventions.
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Viele Menschen sorgen sich um den Klimawandel. Doch zwischen Sorge und Handlung liegt oft eine Lücke. Warum unterschreiben manche Petitionen, sprechen mit Politiker:innen oder spenden Geld – während andere trotz ähnlicher Überzeugungen passiv bleiben?
Eine groß angelegte internationale Verhaltensstudie mit über 30.000 Teilnehmenden hat genau das untersucht. Ziel war es herauszufinden, welche Botschaften und Interventionen Menschen tatsächlich dazu bringen, sich öffentlich, politisch und finanziell für Klimaschutz einzusetzen – also nicht nur zuzustimmen, sondern aktiv zu werden.
Das Ergebnis ist ermutigend:
Menschen lassen sich sehr wohl mobilisieren – wenn man sie richtig anspricht.
Und noch wichtiger:
Die wirksamsten Ansätze sind einfach, lokal umsetzbar und für jede Initiative nutzbar.
Warum Information allein nicht reicht
Viele Kampagnen setzen vor allem auf Fakten: steigende Temperaturen, Extremwetter, CO₂-Zahlen. Doch die Studie zeigt deutlich:
👉 Reines Wissen verändert Verhalten kaum.
Mehr Daten führen nicht automatisch zu mehr Engagement. Stattdessen reagieren Menschen stärker auf psychologische Faktoren: Gefühle, Zugehörigkeit, Hoffnung und das Gefühl, wirklich etwas bewirken zu können.
Was Menschen tatsächlich aktiviert
Die Forschenden testeten 17 verschiedene Kommunikations- und Motivationsansätze. Manche wirkten überraschend wenig. Andere hatten starke Effekte.
Besonders erfolgreich waren Botschaften, die drei Dinge kombinierten:
1. Kollektive Wirksamkeit
Menschen engagieren sich eher, wenn sie glauben:
„Gemeinsam können wir wirklich etwas verändern.“
Nicht das individuelle Opfer steht im Vordergrund, sondern die Kraft der Gemeinschaft.
2. Positive Emotionen statt Angst
Dauerhafte Alarmrhetorik („Katastrophe“, „Verzicht“, „Schuld“) demotiviert.
Wirksamer sind Botschaften wie:
- Hoffnung
- Stolz
- Zusammenhalt
- konkrete Erfolge
👉 Menschen handeln eher aus Zuversicht als aus Angst.
3. Werte und Moral ansprechen
Besonders effektiv waren Appelle an:
- Verantwortung gegenüber kommenden Generationen
- Schutz der Heimat
- Gerechtigkeit
- Bewahrung von Natur und Lebensgrundlagen
Solche Werte sprechen Menschen über politische Lager hinweg an.
Die wichtigste Erkenntnis der Studie
Menschen engagieren sich, wenn sie spüren: „Mein Einsatz macht einen Unterschied – und ich bin nicht allein.“
Diese Kombination führte zu:
- mehr Petitionsunterschriften
- mehr Kontakt zu Politiker:innen
- mehr Spenden
- mehr Bereitschaft, öffentlich Stellung zu beziehen
Und das schon nach wenigen Minuten Intervention.
Das bedeutet:
Schon kleine Impulse können große Wirkung entfalten.
Was heißt das für lokalen Aktivismus?
Die gute Nachricht: Man braucht keine riesigen Kampagnen oder Budgets.
Viele der effektivsten Strategien lassen sich direkt vor Ort umsetzen – im Verein, in der Schule, im Quartier oder in der Kommune.
Hier sind konkrete, wissenschaftlich fundierte Ansätze:
Konkrete Handlungsoptionen für deine Stadt oder Gemeinde
Gemeinschaft sichtbar machen
- lokale Gruppen gründen (Klimastammtisch, Repair-Café, Bürgerinitiative)
- regelmäßige Treffen organisieren
- Erfolge öffentlich teilen
👉 Menschen schließen sich eher an, wenn sie sehen: „Andere machen schon mit.“
Positive Geschichten erzählen
- Beispiele erfolgreicher Projekte zeigen (Solardächer, Radwege, Begrünung)
- „Was wir schon geschafft haben“ statt „Was alles falsch läuft“
👉 Erfolg motiviert stärker als Problemfokus.
Niedrigschwellige Beteiligung anbieten
- vorformulierte Briefe an Lokalpolitiker:innen
- einfache Online-Petitionen
- Spendenaktionen mit kleinen Beträgen
- Mitmach-Aktionen am Wochenende
👉 Je einfacher der Einstieg, desto mehr Menschen beteiligen sich.
Direkten Kontakt zur Politik schaffen
- Bürgersprechstunden besuchen
- Klimafragen in Gemeinderatssitzungen einbringen
- lokale Kandidat:innen zu Klima-Statements auffordern
👉 Politische Advocacy hat laut Studie besonders große Wirkung.
Emotionale Verbindung schaffen
- Aktionen mit persönlichem Bezug („Unser Park“, „Unsere Kinder“, „Unsere Stadt“)
- kreative Formate: Kunst, Workshops, Feste
👉 Menschen handeln für Orte und Menschen, zu denen sie sich verbunden fühlen.
Mit konkreten Erfolgsbildern arbeiten
Nicht:
❌ „Wir müssen Emissionen reduzieren“
Sondern:
✅ „Wenn wir 100 Haushalte für Solar gewinnen, spart das so viel Strom wie 300 Autos“
👉 Greifbare Ziele machen Engagement messbar.
Eine neue Perspektive auf Klimaschutz
Die Studie zeigt etwas Grundlegendes: Klimaschutz ist nicht nur eine technische oder politische Frage. Er ist vor allem eine Frage der Motivation und Gemeinschaft.
Nicht Schuld oder Verzicht treiben Menschen an – sondern Hoffnung, Zusammenhalt und Wirksamkeit.
Die zentrale Botschaft
Du musst nicht perfekt sein. Aber du kannst Teil einer Bewegung sein.
- Jede Unterschrift.
- jedes Gespräch.
- Jede lokale Initiative.
All das summiert sich. Gesellschaftlicher Wandel beginnt selten spektakulär – sondern oft mit kleinen, gemeinsamen Schritten. Und genau diese Schritte sind wissenschaftlich nachweislich wirksam.

Climate Intervention Webapp
Die Wirkung derartiger Interventionen unterscheidet sich sehr stark zwischen verschiedenen Ländern, selbst zwischen kulturell ähnlichen Ländern wie z.B. Österreich und Deutschland. Man kann nicht von einer amerikanischen Studie auf die deutschen Gegebenheiten schließen. Und auch innerhalb von Ländern gibt es große Unterschiede, hier z.B. zwischen Demokraten und Republikanern. Zusätzlich i.d.R. zwischen Männern und Frauen, als Beispiel. Kurzum: Es gibt da einfach keine einfachen Antworten.
Eine gute Infoseite, die die Komplexität abbildet, ist Climate Intervention Webapp. Diese basiert auf der international angelegten Studie von Vlasceanu et al., 2024 (Link) Auf dieser Seite kann man nach den Ergebnissen zu verschiedenen Ländern schauen und noch weitere Filter einstellen.
climate-interventions.shinyapps.io (Link)