LAUDATO SI’ leben: Dem Anstieg des Meeresspiegels entgegenwirken

Kommentar von FJ Klausdeinken

Sea Level Projection Tool, NASA

Bild: En-Road Klimaszenario 2100

Unerwartet schnellen Anstieg des Meeresspiegels

Die jüngste Meldung der NASA über den unerwartet schnellen Anstieg des Meeresspiegels wirft einen düsteren Blick auf die Folgen des Klimawandels. Die Fakten sind alarmierend: Der Anstieg des Meeresspiegels beschleunigt sich und bedroht nicht nur die Küstenregionen, sondern auch das Leben von Millionen von Menschen weltweit. Diese Entwicklung passt zu den Warnungen, die Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato si’ von 2015 formulierte. Besonders in den Kapiteln 23, 24 und 48 beschreibt er die potenziellen Auswirkungen eines steigenden Meeresspiegels und weist auf die Dringlichkeit hin, nachhaltige Lösungen zu finden.

Überflutungen von Küstenregionen

Der rapide Anstieg des Meeresspiegels birgt verschiedene, gravierende Risiken. Einerseits drohen Überflutungen von Küstenregionen, die nicht nur landwirtschaftliche Flächen, sondern auch bewohnte Gebiete zerstören können. Megastädte wie New York, Tokio oder Mumbai, die in Küstennähe liegen, sind besonders gefährdet. Die Enzyklika Laudato si’ warnt bereits in Kapitel 24:

„Der Anstieg des Meeresspiegels zum Beispiel, kann Situationen von äußerstem Ernst schaffen, wenn man bedenkt, dass ein Viertel der Weltbevölkerung unmittelbar oder sehr nahe am Meer lebt und der größte Teil der Megastädte sich in Küstengebieten befindet.“ (LS 24)

Diese Städte sind nicht nur als Wohnorte von Millionen Menschen gefährdet, sondern auch als wirtschaftliche Zentren, deren Zerstörung erhebliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft hätte.

Zudem führt der Anstieg des Meeresspiegels zu einer massiven Vertreibung von Menschen. Inselstaaten wie die Malediven oder Kiribati sind akut bedroht, doch auch viele andere Küstenregionen müssen mit der Migration von Millionen von Klima-Flüchtlingen rechnen. Die Enzyklika stellt in Kapitel 48 fest:

„… und der Anstieg des Meeresspiegels geht hauptsächlich die verarmte Küstenbevölkerung an, die nichts haben, wohin sie umziehen können.“ (LS 48)

Der Klimawandel trifft vor allem die Ärmsten

Hier wird ein zentraler Aspekt deutlich: Der Klimawandel trifft vor allem die Ärmsten und Verwundbarsten, die keine Mittel haben, sich vor den Folgen zu schützen oder in sicherere Gebiete zu fliehen.

Der Anstieg des Meeresspiegels und das Schmelzen der Gletscher können von einem Menschen während seiner Lebenszeit leicht wahrgenommen werden und wahrscheinlich werden in wenigen Jahren viele Menschen aufgrund dieser Ereignisse umsiedeln müssen. (LD 6)

Die Auswirkungen eines ansteigenden Meeresspiegels betreffen nicht nur die physischen Gegebenheiten, sondern haben auch tiefgreifende soziale und wirtschaftliche Konsequenzen. Überflutungen zerstören Häuser, Schulen und Krankenhäuser und zwingen Menschen zur Migration. Die Umweltschäden schädigen die Fischerei, eine Lebensgrundlage vieler Küstengemeinden, und beeinträchtigen die Infrastruktur. Ebenso kann der Verlust von Ackerland zu Nahrungsmittelengpässen führen und regionale Konflikte verschärfen. Papst Franziskus spricht in Laudato si’ von der Notwendigkeit, „den globalen Konsens zu suchen, um eine ernsthafte Veränderung der bisherigen Entwicklungsmuster zu bewirken.“ Dabei fordert er ein stärkeres Verantwortungsbewusstsein von allen Akteuren, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen.

Unsere Beziehung zur Natur neu verstehen

Die Risiken, die mit dem steigenden Meeresspiegel verbunden sind, fordern uns zum Handeln auf. Es ist nicht nur eine ökologische, sondern auch eine moralische Verpflichtung, die Worte von Laudato si’ in die Tat umzusetzen. Der Papst ruft uns auf, „unsere Beziehung zur Natur neu zu verstehen und die Verletzlichkeit der Menschen in der Natur zu erkennen“. Es ist an der Zeit, die Verantwortung für den Klimawandel anzuerkennen und Maßnahmen zu ergreifen, um die globale Erwärmung zu bremsen, den CO₂-Ausstoß zu reduzieren und innovative Lösungen für den Schutz der Küstenregionen zu finden.

Die Menschheit steht vor einer Entscheidung: Entweder ignorieren wir die Warnungen und riskieren den Verlust von Heimat und Leben vieler, oder wir handeln jetzt und leben die Prinzipien der Laudato si’ – im Einklang mit der Natur und in Verantwortung für kommende Generationen.

Die Zeit zum Handeln ist jetzt!

Die Forderungen, die überall auf der Welt von unten kommen, wo sich engagierte Personen aus den unterschiedlichsten Ländern gegenseitig helfen und begleiten, können letztlich Druck auf die Machtverhältnisse ausüben. (Laudate Deum, 38)

Es ist also festzustellen, dass es durchaus hilft, große Transformationsprozesse in Gang zu setzen, die aus der Tiefe der Gesellschaft heraus wirken, auch wenn dies quantitativ gesehen nicht unmittelbar zu sehr relevanten Auswirkungen führt. (Laudate Deum, 71)

Meeresspiegel stieg so stark wie nie zuvor

Der Meeresspiegel ist im Jahr 2024 so stark gestiegen wie nie zuvor: 5,9 Millimeter – und damit deutlich mehr als die prognostizierten 4,3 Millimeter pro Jahr.
Medlung vom 18.03.2025 auf www.bild.de (url-Link)

2024 erreichten die Weltmeere damit den höchsten Pegelstand seit Beginn der Satellitenmessungen. Einen der Gründe dafür sieht das NASA-Team in der Rekorderwärmung von Luft und Ozeanen. „2024 war das wärmste je gemessene Jahr„, sagt Nadya Vinogradova Shiffer vom Integrated Earth System Observatory der NASA. Da auch die Ozeane im letzten Jahr neue Rekordwerte erreichten, wie es nicht verwunderlich, dass sich dies auch im Meeresspiegel zeige.
Meldung vom 19.03.2025 auf www.focus.de (url-Link)

Sea Level Projection Tool, NASA (url-Link) //

Mehr Erdbeben durch menschengemachten Klimawandel

Steigende Meeresspiegel infolge des Klimawandels erhöhen den Druck zwischen tektonischen Platten – mit steigender Erdbebengefahr insbesondere in den Küstenregionen der Welt. Das hat eine Potsdamer Studie ergeben.

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