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Zukunft als Möglichkeitsraum – warum wir unseren Zukunftsmuskel trainieren müssen

Optimismus entsteht durch das Gefühl Einfluss zu haben

Forence Gaub beschreibt Zukunft nicht als festgeschriebenes Schicksal, sondern als Möglichkeitsraum. Menschen, die sich als wirksam erleben, handeln konstruktiver, engagieren sich stärker, leben gesünder – und nachweislich sogar länger.

Optimismus bedeutet dabei nicht Naivität. Er ist kein Wegsehen vor Krisen, sondern Ausdruck von Vertrauen in die eigene Gestaltungskraft. Wer reale Fortschritte erkennt, glaubt an Wandel. Wer sieht: „Es bewegt sich etwas“, fühlt sich als Teil dieses Fortschritts – und übernimmt Verantwortung.

Die lähmende Kraft der Machtlosigkeit

Das Gegenteil ist ebenso wirksam: Machtlosigkeit erzeugt Pessimismus, Rückzug und Passivität. Wer glaubt, nichts bewirken zu können, verliert Energie, Hoffnung und Handlungsspielraum. Gesellschaftlich wirkt dieser Zustand lähmend – gerade angesichts der großen ökologischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit.

Deshalb ist es entscheidend, aktiv an unserer Zukunftsvorstellung zu arbeiten. Oder anders gesagt: Wir müssen unseren Zukunftsmuskel trainieren.


Sich in die Zukunft verlieben – Rob Hopkins und das „evidence-based dreaming“

Der britische Autor und Aktivist Rob Hopkins lädt in seinem Buch How to Fall in Love with the Future zu einem radikalen Perspektivwechsel ein. Er spricht von mentalen Zeitreisen – Reisen in eine Zukunft, in die wir uns verlieben können.

Zentral ist dabei sein Konzept des „evidence-based dreaming“:
Ein Träumen, das nicht beliebig ist, sondern auf real existierenden Möglichkeiten basiert. Hopkins zeigt anhand zahlreicher Beispiele aus der Gegenwart, dass diese andere Zukunft bereits begonnen hat – in Städten, Dörfern, Initiativen und Projekten weltweit.

Die Zukunft ist nicht fern. Sie ist schon da – nur ungleich verteilt

Überall entstehen Inseln des Wandels: Orte, an denen neue Formen von Mobilität, Energieversorgung, Ernährung, Zusammenleben und Demokratie bereits gelebt werden. Diese Beispiele sind keine Utopien, sondern Beweise, dass Veränderung machbar ist.


Vom Verzichts-Narrativ zum Abenteuer-Narrativ

Ein zentraler Gedanke von Hopkins ist der Abschied vom dominierenden Verzichts-Narrativ. Ja, eine radikale Reduktion von Emissionen ist unverhandelbar. Doch entscheidend ist, wie wir darüber sprechen.

Statt Klimaschutz als Abfolge von Verlusten, Einschränkungen und Opfern zu erzählen, lädt Hopkins dazu ein, die Transformation als das größte Abenteuer unseres Lebens zu begreifen: Eine anspruchsvolle, mutige und zugleich sinnstiftende Reise, auf der wir gemeinsam etwas völlig Neues gestalten.

Nicht Verzicht steht im Mittelpunkt, sondern Gewinn an Lebensqualität, Sinn und Gemeinschaft.


Zukunft ist eine kollektive Praxis

Zukunft entsteht nicht im Alleingang. Sie ist kein individuelles Projekt, sondern eine kollektive Praxis. Menschen kommen zusammen, teilen Geschichten, entwickeln Zukunftsbilder, erschaffen Zukunftsartefakte und starten lokale Projekte. Genau dabei wird der Zukunftsmuskel trainiert.

Je öfter wir positive, realistische Zukunftsbilder sehen, erzählen und erleben, desto handlungsfähiger werden wir – als Einzelne und als Gesellschaft.


Trainingsprogramm für den Zukunftsmuskel

Ermutigende Entwicklungen gibt es bereits heute, zum Beispiel:

  • lokale Energie- und Klimaprojekte
  • neue Formen gemeinschaftlichen Wohnens
  • autofreie Quartiere und lebenswerte Städte
  • regionale Ernährungssysteme
  • demokratische Beteiligungsmodelle
  • soziale Innovationen, die Klima- und Gerechtigkeitsfragen verbinden

Diese Beispiele sind kein „Nice-to-have“. Sie sind Trainingsfelder für unsere Fähigkeit, Zukunft aktiv zu gestalten.


Fazit

Zukunft ist kein abstraktes Morgen. Sie beginnt dort, wo Menschen sich als wirksam erleben, Hoffnung aus realen Beispielen schöpfen und gemeinsam handeln.

Wer den Zukunftsmuskel trainiert, stärkt nicht nur den eigenen Optimismus – sondern die kollektive Fähigkeit, Wandel möglich zu machen.

Ideengeber für den Beitrag war www.klimatreff-mensch-und-zukunft.de (url-Link)

Wichtigste Entwicklungen bei Klimaschutz und Klimagerechtigkeit

weltweit und auf bundesebene

1. Erneuerbare Energien sind ökonomisch irreversibel geworden

Der weltweite Übergang zu erneuerbaren Energien ist nicht mehr primär politisch, sondern kosten- und nachfragegetrieben. Solar- und Windenergie sind in vielen Regionen die günstigste Form der Stromerzeugung. In den USA haben Erneuerbare inzwischen Kohle überholt. Der Ember-Report 2025 bestätigt: Der Trend ist strukturell und dauerhaft.


2. Solar- und Windkraft wachsen exponentiell

Solarenergie hat sich in den letzten zehn Jahren verzehnfacht (rund 2.100 GW erwartet 2025), Windkraft seit 2014 mehr als verdreifacht. Damit entstehen erstmals Energiesysteme, die global skalierbar, klimafreundlich und sozial zugänglich sind.


3. Klimaschutz ist rechtlich einklagbar geworden

Mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts (2021) wurde Klimaschutz zum Schutz der Freiheitsrechte künftiger Generationen verankert. Ergänzt wurde dies 2025 durch das Gutachten des Internationalen Gerichtshofs, das eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt als Menschenrecht einstuft. Klimaschutz ist damit kein freiwilliges Politikfeld mehr, sondern ein Rechtsanspruch.


4. Breite gesellschaftliche Bereitschaft zu Klimaschutz

70 % der Weltbevölkerung wären bereit, einen Teil ihres Einkommens für Klimaschutz aufzuwenden. Auch unter Wohlhabenden wächst das Problembewusstsein: 59 % deutscher Millionär:innen halten ihren Lebensstil für klimaschädlich und sehen Vermögenssteuern als Beitrag zu mehr Klimagerechtigkeit.


5. Deutlicher Rückgang extremer Armut und globaler Ungleichheit

Extreme Armut ist weltweit von 36 % (1990) auf rund 9 % (2024) gesunken. Diese Entwicklung ist zentral für Klimagerechtigkeit, da soziale Sicherheit Voraussetzung für gesellschaftliche Transformationsfähigkeit ist.


6. Gesundheit, Bildung und Selbstbestimmung haben sich massiv verbessert

Seit 2000 wurden Kinder- und Müttersterblichkeit mehr als halbiert, 85 % aller Kinder weltweit sind geimpft, 64 % der Frauen haben Zugang zu Verhütungsmitteln. 60 % der Mädchen in sehr armen Ländern absolvieren heute die Grundschule. Diese Fortschritte erhöhen Resilienz und Zukunftsfähigkeit erheblich.


7. Verkehrswende nimmt real Gestalt an

Elektromobilität wächst exponentiell: In Deutschland fahren rund 2 Mio. E-Autos, weltweit steigt der Anteil rasant. Klimafreundliche Elektro-LKW-Flotten rechnen sich wirtschaftlich, während Städte Werbung für klimaschädliche Mobilität (z. B. Den Haag) regulieren.


8. Städte werden zu Laboren der Transformation

Städte wie Kopenhagen, Paris oder Gent zeigen, dass Lebensqualität steigt, wenn Verkehr, Grünräume und soziale Infrastruktur neu gedacht werden. Paris hat zehntausende Parkplätze in Grünflächen umgewandelt, Gent erreichte massive Verkehrsverlagerung aufs Fahrrad. Auch deutsche Städte wie Freiburg, Tübingen oder Potsdam setzen Maßstäbe.


9. Schutz natürlicher Lebensräume zeigt Wirkung

Unter der neuen Regierung in Brasilien sind die Waldverluste im Amazonasgebiet um rund 60 % gesunken. Gleichzeitig nimmt die Fläche von Naturschutzgebieten weltweit zu. Das zeigt: Politische Entscheidungen können Ökosysteme messbar stabilisieren.


10. Historische Risiken wurden bereits drastisch reduziert

Der Blick zurück relativiert Zukunftsängste:
Die Zahl der Atomwaffen sank von etwa 70.000 auf rund 12.900, extreme Umweltverschmutzung war früher weitgehend unreguliert, Klimaschutz hatte keinen verfassungsrechtlichen oder völkerrechtlichen Status. Heute existieren rechtliche, technologische und gesellschaftliche Instrumente, die früher undenkbar waren.

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regional und lokal

1. Kommunales Ziel: Klimaneutrales Soest bis 2030

Die Stadt Soest hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu werden. Dieses Ziel gibt der lokalen Klimapolitik eine klare Richtung und erhöht den Handlungsdruck auf Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gleichermaßen.

Der Kreis Soest sowie mehrere Kommunen haben integrierte Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzepte verabschiedet. Klimaschutz ist damit nicht mehr Einzelprojekt, sondern Teil strategischer Verwaltungssteuerung (Energie, Mobilität, Bauen, Beschaffung).


2. Ausbau erneuerbarer Energien im Kreis Soest

Der Kreis Soest gehört in NRW zu den Regionen mit starkem Zubau von Wind- und Solarenergie. Bürgerenergiegenossenschaften, kommunale Flächenkonzepte und landwirtschaftliche Kooperationen stärken regionale Wertschöpfung und Akzeptanz.


3. Energetische Sanierung öffentlicher Gebäude

Kommunen, Kirchenkreise und das Erzbistum investieren verstärkt in energetische Sanierung von Schulen, Verwaltungs- und Kirchengebäuden. Effizienzmaßnahmen, Photovoltaik und Wärmepumpen reduzieren dauerhaft Emissionen und Betriebskosten.


4. Klimaneutrale Kirche als offizielles Ziel (EKvW)

Die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) hat sich verpflichtet, bis spätestens 2040 treibhausgasneutral zu werden. Klimaschutz ist damit Teil kirchlicher Verantwortung, Haushaltsplanung und Immobilienstrategie.


5. Schöpfungsverantwortung als Leitlinie im Erzbistum Paderborn

Das Erzbistum Paderborn verankert Klimaschutz und Nachhaltigkeit zunehmend als Bestandteil kirchlicher Entwicklungsprozesse: Energie- und Umweltmanagement, nachhaltige Beschaffung sowie Bildungsarbeit zu globaler Gerechtigkeit.


6. Kirchliche Immobilien als Hebel der Transformation

Sowohl EKvW als auch ErzB PB arbeiten an neuen Nutzungskonzepten für kirchliche Gebäude: weniger Fläche, effizientere Nutzung, gemeinsame Räume mit Kommunen oder Initiativen. Klimaschutz wird so mit sozialem Zusammenhalt verbunden.


7. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in Schulen und Gemeinden

Kirchliche Schulen, Bildungshäuser, Kitas und Volkshochschulen in der Region stärken BNE-Angebote: Klimagerechtigkeit, globale Verantwortung und Zukunftskompetenzen werden systematisch vermittelt – besonders an junge Menschen.


8. Soziale Klimagerechtigkeit auf lokaler Ebene

Im Kreis Soest wächst das Bewusstsein, dass Klimaschutz sozial gerecht gestaltet werden muss: Förderprogramme, Beratung für einkommensschwächere Haushalte, Quartiersprojekte und Mobilitätsangebote ohne Auto.


9. Zivilgesellschaftliche Netzwerke und lokale Initiativen

Klimatreffs, Repair-Cafés, solidarische Landwirtschaft, Energiegenossenschaften und kirchliche Initiativen vernetzen Menschen vor Ort. Sie machen Klimaschutz alltagsnah, gemeinschaftlich und wirksam erlebbar.


10. Kooperation zwischen Kommune, Kirche und Zivilgesellschaft

Eine zentrale Entwicklung ist die zunehmende Zusammenarbeit: Kirchen stellen Räume bereit, Kommunen unterstützen Projekte, Initiativen bringen Engagement und Kreativität ein. Klimaschutz wird damit zur kollektiven Praxis auf regionaler Ebene