Trumps Verhältnis zur Klimagerechtigkeit und zu den Kirchen

Ein Kommentar von FJ Klausdeinken

Donald Trump und die Klimagerechtigkeit

Politischer Kontext

Donald Trump hat in seiner zweiten Amtszeit die US-Klimapolitik deutlich in Richtung Deregulierung und fossile Energieorientierung gelenkt. Besonders prägnant ist der Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen, der am 27. Januar 2026 offiziell wirksam wurde. Dieser Schritt bedeutet, dass die Vereinigten Staaten sich nicht mehr verpflichtet fühlen, ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren oder Verantwortung in internationalen Klimaverhandlungen zu übernehmen.

Zusätzlich hat die Administration regulatorische Rahmenbedingungen zuungunsten des Klimaschutzes verändert: Umweltbehörden wie die Environmental Protection Agency (EPA) wurden unter Trump mit der Aufgabe betraut, bestehende Klimaschutzmaßnahmen zurückzunehmen oder zu verwässern, was sich auch in einem deutlich reduzierten Vollzug von Umweltauflagen zeigt.

Ein Bundesgericht erklärte zudem, dass eine unter Trumps Energieministerium eingerichtete Klimawissenschaftsgruppe gegen Bundesrecht verstoßen habe, was die Legitimität von Argumenten zur Abschwächung von Klimaregeln weiter infrage stellt.


Auswirkungen auf Klimagerechtigkeit

Klimagerechtigkeit bedeutet, dass diejenigen, die am wenigsten zur Verursachung des Klimawandels beigetragen haben und zugleich am stärksten von seinen Folgen betroffen sind, besondere Unterstützung und Schutz erhalten sollen. Trumps Politik bewegt sich in mehreren Bereichen konträr zu diesen Zielen:

A) Internationale Verpflichtungen und globale Verantwortung

Der Austritt aus dem Pariser Abkommen reduziert die Verantwortung der USA bei globalen Emissionsreduktionszielen. Als zweitgrößter historischer Emittent von Treibhausgasen haben die USA eine besondere Verantwortung, beim Schutz des globalen Klimas mitzuarbeiten — über das Pariser Abkommen hinaus auch durch die UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) und die Zusammenarbeit in internationalen Fonds.

Kritiker sehen darin einen massiven Rückschlag für den globalen Klimaschutz und eine Verstärkung globaler Ungerechtigkeiten, weil ärmere Länder nun weniger Unterstützung und Druckmittel für eigene Klimamaßnahmen haben.


B) Innenpolitische Folgen für vulnerable Gemeinschaften

Trump hat zahlreiche Regulierungen zurückgenommen, die zuvor sowohl Luft- als auch Wasserqualität verbessern und so unmittelbare Gesundheitsschäden verringern sollten. Laut Analysen könnten durch diese Deregulierung tausende zusätzliche Todesfälle und erhebliche Gesundheitskosten entstehen.

Solche Entwicklungen treffen sozial benachteiligte Communities überproportional stark: Menschen mit geringem Einkommen, Schwarze und Indigene Gemeinschaften sind in den USA häufiger unmittelbarer Luft- und Wasserverschmutzung ausgesetzt. Diese Art von Umweltungleichheiten ist ein Kernpunkt der Debatten um Klimagerechtigkeit.


C) Energiesystem und soziale Auswirkungen

Trumps Fokus auf fossile Energien bedeutet nicht nur ökologische Risiken, sondern auch wirtschaftliche Belastungen für Haushalte und Industrie: Analysen zeigen, dass die Verzögerung des Ausbaus erneuerbarer Energien zu steigenden Energiepreisen führen kann — was wiederum an einkommensschwache Haushalte weitergegeben wird.

Darüber hinaus verlieren Programme, die gezielt den Übergang zu sauberer Energie unterstützen würden, an Wirkung, sobald sie politisch geschwächt werden. Dies kann langfristig zu strukturellen Nachteilen für Regionen und Arbeitnehmer in Zukunftsbranchen führen.


Kritik und Widerstand

Trump bekommt für seinen Klimakurs deutliche Kritik — sowohl von Wissenschaftlern als auch von Politikern und Aktivisten:

  • Klimaforscher warnen, seine Politik schwäche die globale Kooperation und sei ein „fataler Rückschritt“ im Kampf gegen die Erderwärmung.
  • Regionale Regierungen wie Kalifornien und globale Akteure betonen, dass Trumps Kurs nicht das Ende der Klimapolitik bedeute, sondern starke Gegenbewegungen innerhalb der USA verstärke.
  • Internationale Stimmen fordern die EU und andere Akteure auf, Führungsrollen zu übernehmen, damit die Klimagerechtigkeit nicht gänzlich erodiert.

Schlussfolgerungen

Unter Trump verschiebt sich die US-Klimapolitik zugunsten fossiler Energien und zuungunsten von weltweit koordinierten Klimaschutzbemühungen. Diese Veränderungen haben mehrere direkte Effekte auf die Klimagerechtigkeit:

  1. Reduktion internationaler Verantwortung, was ärmere Länder stärker belastet.
  2. Zunahme sozialer und gesundheitlicher Risiken für vulnerablere Communities in den USA.
  3. Wirtschaftliche Mehrbelastungen, insbesondere für Haushalte mit niedrigem Einkommen.
  4. Schwächung des globalen Vertrauens und der Zusammenarbeit bei der Bewältigung eines kollektiven Problems.

Insgesamt verschärfen Trumps Maßnahmen bestehende strukturelle Ungerechtigkeiten im Klimasystem und stellen nicht nur eine politische, sondern auch soziale Herausforderung für die globale Klimagerechtigkeit dar.

20.01.2025: Amtseid ohne Hand auf der Bibel

Trumps Verhältnis zu den Kirchen

Doppeltes Verhältnis: Unterstützung und Kritik der Kirchen

Unterstützung durch konservative Christen
Ein erheblicher Teil der evangelikalen Christen in den USA sieht in Trump einen politischen Verbündeten – vor allem in kulturpolitischen Fragen wie Abtreibung, Religionsfreiheit und konservativen Werten. Diese Gruppen geben ihm hohe Zustimmungswerte – auch weil sie seine politischen Prioritäten als Teil ihres Glaubensverständnisses interpretieren.

Gegenstimmen aus kirchlichen Reihen
Gleichzeitig gibt es deutliche Kritik aus anderen Kirchenkreisen – etwa wenn kirchliche Vertreter moralische oder barmherzigkeitsbezogene Anliegen ansprechen, die Trumps Politik widersprechen. Diese Vertreter kritisieren, dass sein Führungsstil und seine Maßnahmen mit dem Kernthema der christlichen Nächstenliebe schwer vereinbar seien.


Der persönliche Glaube Trumps: diffus und taktisch

Keine feste kirchliche Bindung
Trump identifiziert sich als Christ, galt lange Zeit als Presbyterianer, bezeichnet sich inzwischen aber als „nicht konfessionell“ bzw. nicht aktiv an eine Kirche gebunden. Die Tiefe seines persönlichen Glaubens ist unter Theologen und Beobachtern umstritten; vielerorts wird er eher als politisch-strategisch denn als spirituell motiviert eingeschätzt.

Symbolische Religionsnutzung
Seine öffentlichen Auftritte vor religiösen Symbolen (z. B. mit einer Bibel) wurden oft als politische Inszenierung kritisiert, insbesondere wenn sie mit umstrittenen politischen Maßnahmen verbunden waren.


Konkrete Streitpunkte zwischen Kirchen und Trump

Direkte kirchliche Ansprache und Reaktionen
Beispielsweise rief eine anglikanische Bischöfin Trump dazu auf, sich barmherzig gegenüber marginalisierten Menschen zu zeigen – was zu einer kritischen öffentlichen Auseinandersetzung führte.

Kritik an religiösen Darstellungen
Kirchliche Führungspersönlichkeiten haben auch Kunstwerke oder Darstellungen, die Trump mit religiösen Symbolen verbinden, als unangemessen oder abartig kritisiert – was wiederum die Spannungen verstärkt hat.


Breitere kirchliche Debatte und gesellschaftlicher Kontext

Kirchen gespalten
Die US-Kirchenlandschaft ist in dieser Frage gespalten: Während Teile der konservativen Christen Trump als Verteidiger „christlicher Werte“ sehen, fühlen andere Kirchenvertreter sich durch seine Politik und Rhetorik herausgefordert oder kritisieren sie offen.

Öffentliche Wahrnehmung
Umfragen zeigen, dass viele Christen unterschiedliche Meinungen über Trump und seinen Umgang mit Glaubensfragen haben – Unterstützung und Ablehnung können dabei durchaus innerhalb derselben Glaubensgemeinschaft existieren.


Kernbotschaft

Donald Trump hat ein ambivalentes Verhältnis zu Kirchen und Glaubensgemeinschaften:

  • Anziehungskraft auf konservative Christen durch politiknahe Mobilisierung religiöser Themen,
  • Kritik und Spannungen mit kirchlichen Leitfiguren, die soziale Barmherzigkeit und ethische Fragen betonen,
  • eigene religiöse Identität eher strategisch als tief konfessionell geprägt

Den Artikel lesen auf www.br.de (Link)