Energieunabhängigkeit durch Gasausstieg ermöglichen!

Offener Brief vom 23.03.26 an die Mitglieder des Bundestags

umweltinstitut.org

Die Christians for Future Deutschland haben mitunterzeichnet

Raus aus der Kostenfalle

Sehr geehrte Mitglieder des Bundestags,
mit großer Sorge blicken wir auf die aktuelle Situation der Energieversorgung in Deutschland: Noch immer sind wir durch unsere fossilen Gasimporte anfällig für geopolitische Krisen.
Heute noch auf eine Verlängerung dieser Gasabhängigkeit zu setzen macht uns politisch
erpressbar, treibt Energiepreise in die Höhe, heizt die Klimakrise an und verhindert eine effiziente Infrastrukturplanung in unseren Kommunen. Bitte setzen Sie alle Hebel in Bewegung, um den Gasverbrauch in Deutschland schnell und drastisch zu senken.
Erneuerbare Energien decken bereits fast 60 Prozent unseres Strombedarfs.1 Die Wärmeversorgung hingegen beruht noch immer zu ca. 80 Prozent auf fossilen Energien.2 Dafür
wird noch immer in großen Mengen fossiles Gas verbrannt. Ca. 40 Prozent des deutschen Gasbedarfs werden für die Beheizung von Gebäuden verwendet.3
Mit Putins Überfall auf die Ukraine mussten wir schmerzvoll lernen, dass Deutschland sich stark von Gasimporten abhängig gemacht hat. Hohe Strom- und Gaspreise sowie Versorgungsengpässe waren die Folge. Seit dem extremen Preissprung 2022 ist viel passiert: In vielen großen Kommunen liegt heute bereits eine Wärmeplanung vor, die den Weg aus der Gasversorgung aufzeigt. Die Wärmepumpe war 2025 erstmals Spitzenreiter bei neu verkauften Heizungen.4 Und immer mehr Gebäude werden an Wärmenetze angeschlossen.5
In den letzten Wochen überschlugen sich die Ereignisse erneut: Der Krieg im Iran ließ die Gas- und Ölpreise auf dem Weltmarkt abermals in gefährliche Höhen schnellen. Fast zeitgleich kündigten die Regierungsfraktionen an, dass der Einbau von Gas- und Ölheizungen wieder dauerhaft erlaubt werden soll.

Diese Ankündigung halten wir für sehr gefährlich: Wir haben genug vom teuren
Gas-Chaos der letzten Jahre. Bitte nehmen Sie diese Sorge ernst!
Als Unterzeichnende dieses Briefes fordern wir Sie auf:

  • Reduzieren Sie unsere Gasimporte, anstatt neue Abhängigkeiten aufzubauen!
  • Schützen Sie Ihre Bürger und Bürgerinnen vor der Gaskostenfalle!
  • Stellen Sie Planungssicherheit auf lokaler Ebene her!

Insgesamt haben 250 Organisationen und lokale Gruppen aus über 130 Städten unterzeichnet. Die Christians for Future Deutschland haben mitgezeichnet.

Die Forderungen im Einzelnen:

1. Reduzieren Sie unsere Gasimporte, anstatt neue Abhängigkeiten aufzubauen!
Wir wollen nicht mehr von rücksichtslosen Autokraten abhängig und erpressbar sein.
Das Ende der Gaslieferungen aus Russland darf keinesfalls durch eine neue Abhängigkeit von den USA oder anderen Gasexporteuren ersetzt werden. Auch neue Gasbohrungen in Deutschland darf es nicht geben, denn sie bergen hohe Risiken für den Naturschutz und lösen deswegen schon heute breite Proteste der betroffenen Bevölkerung aus.

2. Schützen Sie Ihre Bürger und Bürgerinnen vor der Gaskostenfalle!
Erlaubt die Regierung – wie im neuen Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) geplant
– den weiteren Einbau von Gasheizungen, schickt sie insbesondere Mietende in die Kostenfalle. Da immer weniger Gebäude am Gasnetz hängen, könnten auf die letzten Haushalte mit Gasheizung sehr hohe Netzgebühren von bis zu 4300 Euro pro Jahr zukommen. Auch die Versorgung mit erneuerbaren Gasen ist nur eine teure Mogelpackung. Denn die Wissenschaft ist sich einig: Erneuerbare Gase werden auch in Zukunft nicht in ausreichenden Mengen verfügbar sein und an anderen Stellen dringender benötigt. Somit verteuern sie den Gaspreis zusätzlich.

3. Stellen Sie Planungssicherheit auf lokaler Ebene her!
Netzbetreibern wird die Infrastrukturplanung massiv erschwert, wenn in jeder Straße
wieder Gasheizungen verbaut werden dürfen. Wo der Ausbau von Strom- und Wärmenetzen nicht mit der Stilllegung von Gasnetzen koordiniert wird, drohen teure Parallel-Infrastrukturen. Hören Sie auf Stadtwerke-Verbände, Verbraucherschützer sowie die Monopolkommission und sorgen Sie für eindeutige Rahmenbedingungen. Nur eine geplante, schrittweise Ablösung der Gasnetze durch den abgestimmten Ausbau von Strom- und grünen Wärmenetzen ist kosteneffizient und umsetzbar.