Vor 25 Jahren: Der Atomkonsens – ein Meilenstein mit bleibender Verantwortung

Energiewende bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Am 11. Juni 2001 unterzeichnete die rot-grüne Bundesregierung gemeinsam mit den Energieversorgungsunternehmen den sogenannten Atomkonsens und besiegelte damit den schrittweisen Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie.

Was bereits ein Jahr zuvor politisch vereinbart worden war, erhielt nun seine rechtsverbindliche Form. Der Neubau von Atomkraftwerken wurde ausgeschlossen, die Laufzeiten der bestehenden Anlagen begrenzt und damit eine grundlegende Weichenstellung für die deutsche Energiepolitik vorgenommen.

Der Atomkonsens war mehr als eine technische oder wirtschaftspolitische Entscheidung. Er war Ausdruck eines gesellschaftlichen Lernprozesses. Jahrzehntelange Debatten über die Risiken der Kernenergie, die ungelöste Endlagerfrage und die Verantwortung gegenüber kommenden Generationen führten zu der Einsicht, dass eine geordnete Beendigung der Atomenergienutzung notwendig ist. Die spätere Reaktorkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 bestätigte für viele Menschen diese Einschätzung und führte schließlich zur Beschleunigung des Ausstiegs.

Auch die Kirchen haben sich immer wieder deutlich zu Fragen der Atomenergie und der Energiewende positioniert. Sie betonen, dass die Bewahrung der Schöpfung ein zentraler Auftrag christlichen Handelns ist. Aus dieser Verantwortung heraus kritisieren sie die langfristigen Risiken der Kernenergie ebenso wie die Belastungen, die radioaktive Abfälle über viele Generationen hinweg verursachen.

Immer noch keine Lösung für sichere Endlagerung

Ein zentrales Argument gegen eine Rückkehr zur Atomkraft bleibt auch 25 Jahre nach dem Atomkonsens unverändert bestehen: Bis heute gibt es keine betriebsbereite Lösung für die sichere Endlagerung hochradioaktiver Abfälle. Der Atommüll bleibt über Zeiträume gefährlich, die jede menschliche Planung und politische Verantwortung weit übersteigen. Seine sichere Verwahrung muss über Hunderttausende von Jahren gewährleistet werden – eine Aufgabe, für die bislang weltweit kein abschließend bewährtes Konzept existiert.

Christlich-ethische Verantwortung

Wer Verantwortung für die Schöpfung und für kommende Generationen ernst nimmt, darf keine zusätzlichen Lasten erzeugen, solange die bestehenden nicht gelöst sind. Deshalb gilt: Ohne eine verlässliche und gesellschaftlich akzeptierte Lösung der Endlagerfrage sollte es keine erneute Debatte über eine Ausweitung oder Wiederaufnahme der Nutzung der Atomkraft geben. Die ungelöste Entsorgung des bereits vorhandenen radioaktiven Abfalls ist Herausforderung genug und verpflichtet Politik und Gesellschaft dazu, ihre ganze Kraft auf eine verantwortbare Lösung dieses Problems zu richten, statt neue Mengen hochradioaktiver Abfälle zu produzieren.

Der Blick nach vorn

25 Jahre nach der Unterzeichnung des Atomkonsenses lohnt sich nicht nur der Blick zurück, sondern vor allem der Blick nach vorn. Die Energiewende bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie erfordert Investitionen in erneuerbare Energien, leistungsfähige Stromnetze, Speichertechnologien und eine konsequente Steigerung der Energieeffizienz. Ebenso wichtig ist jedoch die Bereitschaft jedes Einzelnen, den eigenen Energieverbrauch kritisch zu hinterfragen und Ressourcen bewusst einzusetzen.

Ein wesentliches Argument gegen eine Rückkehr zur Atomkraft hat bis heute nichts von seiner Aktualität verloren. Die Evangelische Kirche in Deutschland betont die Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung und setzt sich für eine konsequente Energiewende sowie einen sparsamen und effizienten Umgang mit Energie ein. Die ökologischen und finanziellen Folgen unseres Handelns dürfen nicht auf unsere Kinder und Enkel abgewälzt werden.

Verantwortung für die Schöpfung beginnt im Alltag: beim bewussten Umgang mit Strom und Wärme, bei nachhaltigen Konsumentscheidungen und bei der Wertschätzung der begrenzten Ressourcen unseres Planeten. Ein sorgsamer Umgang mit Energie ist kein Ausdruck von Verzicht, sondern ein Zeichen von Gerechtigkeit, Weitsicht und Solidarität – gegenüber den Menschen heute ebenso wie gegenüber den Generationen von morgen.

Quelle: Kalenderblatt: Der Einstieg in den Atomausstieg; www.deutschlandfunk.de (Link)