Kommentar von FJ Klausdeinken anlässlich der Befreiung von Soest und dem Kriegsende am 8. Mai 1945

Die christliche Sozialethik betrachtet Krieg und Frieden als zentrale Themen der moralischen Verantwortung. Im Lichte der biblischen Botschaft und der christlichen Tradition ergibt sich eine deutliche Präferenz für den Frieden, jedoch auch die Notwendigkeit, sich mit den ethischen Herausforderungen von Gewalt und Krieg auseinanderzusetzen.
Die Verantwortung für den Frieden in der christlichen Sozialethik
Die christliche Schöpfungsverantwortung beinhaltet den Schutz und die Förderung des Lebens. Der Mensch ist als Geschöpf Gottes berufen, sich aktiv für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Die christliche Ethik verurteilt daher Krieg als eine schwerwiegende Störung des göttlichen Friedens und fordert nachdrücklich Gewaltprävention, Konfliktbewältigung und Versöhnung.
Schriften der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz zur Friedensethik
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) haben sich wiederholt zur Friedensethik geäußert. Zu den wichtigsten Dokumenten gehören:
- EKD-Friedensdenkschrift „Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen“ (2007): Diese Schrift plädiert für eine Friedensethik, die militärische Gewalt nur als letztes Mittel zulässt und sich für Gewaltprävention sowie zivile Konfliktbearbeitung starkmacht. (url-Link)
- Wort der Deutschen Bischofskonferenz „Gerechter Friede“ (2000): Dieses Dokument entwickelt das Konzept eines „gerechten Friedens“ weiter, das über eine reine Abwesenheit von Krieg hinausgeht und auf Gerechtigkeit, Menschenrechte und Versöhnung setzt. (url-Link)
Wie kann jede:r Einzelne Frieden in seinem Umfeld schaffen?
Frieden beginnt im Kleinen, und jeder Mensch kann aktiv dazu beitragen. Mögliche Maßnahmen sind:
- Gewaltfreie Kommunikation: Respektvolle und wertschätzende Gespräche fördern gegenseitiges Verständnis.
- Engagement für soziale Gerechtigkeit: Einsatz für benachteiligte Menschen und gegen Diskriminierung schafft eine friedlichere Gesellschaft.
- Konfliktlösung im Alltag: Mediation und Kompromissbereitschaft helfen, Streitigkeiten beizulegen, bevor sie eskalieren.
- Bildung und Aufklärung: Durch Sensibilisierung für Friedensfragen in Schule, Kirche und Gesellschaft kann ein Bewusstsein für gewaltfreie Konfliktlösungen geschaffen werden.
- Gebet und spirituelle Praxis: In der christlichen Tradition spielen das Gebet für den Frieden und die spirituelle Reflexion eine wichtige Rolle.
Krieg als Klimasünder – Frieden als klimagerechte Alternative
Krieg ist nicht nur eine humanitäre Katastrophe, sondern auch ein erheblicher Umweltzerstörer. Militärische Operationen verursachen massive CO₂-Emissionen durch den Einsatz schwerer Maschinen, Panzer und Kampfflugzeuge. Zudem führen Bombardierungen zur Zerstörung von Infrastruktur und Landschaften, setzen giftige Stoffe frei und gefährden Ökosysteme. Die Produktion und der Transport von Waffen belasten die Umwelt zusätzlich.
Frieden hingegen schafft die Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung und Klimagerechtigkeit. Ohne kriegerische Zerstörung können Ressourcen sinnvoll für den Umweltschutz und die Bekämpfung des Klimawandels eingesetzt werden. Gesellschaften in Frieden können in erneuerbare Energien, Naturschutzprojekte und nachhaltige Wirtschaftskreisläufe investieren, wodurch langfristig die Schöpfungsverantwortung gewahrt bleibt.
Fazit
Die Spannung zwischen Krieg und Frieden bleibt eine ethische Herausforderung. Aus christlicher Sicht ist der Einsatz für den Frieden Teil der Verantwortung gegenüber Gottes Schöpfung. Individuelle und gesellschaftliche Anstrengungen sind erforderlich, um Krieg zu verhindern und nachhaltigen Frieden zu fördern. Die kirchlichen Schriften bieten wertvolle Impulse, um diese Verantwortung in konkrete Handlungen umzusetzen. Darüber hinaus ist Frieden ein wichtiger Faktor für den Klimaschutz, da er klimagerechte Strukturen ermöglicht, während Krieg Umwelt und Lebensgrundlagen zerstört.
Ziviler Ungehorsam der Hebammen (Exod. 1:16)
Er sagte zu seinem Volk: Seht nur, das Volk der Israeliten ist größer und stärker als wir. 10 Gebt Acht! Wir müssen überlegen, was wir gegen es tun können, damit es sich nicht weiter vermehrt. … Je mehr man es aber unter Druck hielt, umso stärker vermehrte es sich und breitete sich aus. Da packte sie das Grauen vor den Israeliten.
Zu den hebräischen Hebammen – die eine hieß Schifra, die andere Pua – sagte der König von Ägypten: Wenn ihr den Hebräerinnen Geburtshilfe leistet, dann achtet auf das Geschlecht! Ist es ein Knabe, so lasst ihn sterben! Ist es ein Mädchen, dann kann es am Leben bleiben. 17 Die Hebammen aber fürchteten Gott und taten nicht, was ihnen der König von Ägypten gesagt hatte, sondern ließen die Kinder am Leben.
Da rief der König von Ägypten die Hebammen zu sich und sagte zu ihnen: Warum tut ihr das und lasst die Kinder am Leben? Die Hebammen antworteten dem Pharao: Die hebräischen Frauen sind nicht wie die ägyptischen, denn sie sind voller Leben. Bevor die Hebamme zu ihnen kommt, haben sie schon geboren. Gott verhalf den Hebammen zu Glück; das Volk aber vermehrte sich und wurde sehr stark.
Weil die Hebammen Gott fürchteten, gab er ihnen Nachkommen. Daher gab der Pharao seinem ganzen Volk den Befehl: Alle Knaben, die den Hebräern geboren werden, werft in den Nil! Die Mädchen dürft ihr alle am Leben lassen.
Befehlsverweigerung gegen „Verbrechens gegen die Menschlichkeit“ ist ein Internationales Recht
Es dauerte mehr als dreitausend Jahre, bis das, was die Hebammen taten, im internationalen Recht verankert wurde. Die 1946 in Nürnberg angeklagten Nazi-Kriegsverbrecher verteidigten sich alle damit, dass sie lediglich Befehle befolgt hätten, die von einer ordnungsgemäß gebildeten und demokratisch gewählten Regierung erteilt worden seien. Nach der Doktrin der nationalen Souveränität hat jede Regierung das Recht, ihre eigenen Gesetze zu erlassen und ihre eigenen Angelegenheiten zu regeln. Es bedurfte eines neuen Rechtskonzepts, nämlich des „Verbrechens gegen die Menschlichkeit“, um die Schuld der Architekten und Verwalter des Völkermords zu konstatieren. (Quelle: www.ordonline.de)