Kann den Fliegen Sünde sein?

Beitrag von F.-J. Klausdeinken

Klimagerechtigkeit – Verantwortung für die Mit-Welt

Einzelpersonen oder Organisationen tragen die Verantwortung, ob sie durch ihr Verhalten der Jugend, den Mit-Menschen und den Mit-Geschöpfen eine Zukunft geben wollen. Im Falle von Reisen ist zu prüfen, ob diese sinnvoll und notwendig sind, die Wahl des Verkehrsmittels umweltverträglich gestaltet ist und in einem vertretbaren Verhältnis zur Belastung der Umwelt steht.

Für Christ*innen und Kirchen besteht eine besondere Verantwortung

Im Zeitalter des Anthropozäns haben wir durch Überforderung und Ausbeutung von „Mutter Erde“ die planetaren Grenzen weit überschritten. Der Meeresspiegel steigt und Südseestaaten versinken. Der Kollaps ist greifbar nah. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, also ein jeder von uns, haben es in der Hand, die dramatischen Auswirkungen zu mindern. Zum Ende der 26. Weltklimakonferenz (COP26) in Glasgow fordern MISEREOR und BROT FÜR DIE WELT einen Schutzschirm für die Ärmsten (url-Link).

Gruppenreisen mit dem Flieger verursachen zuviel CO2

Wieviel zusätzliche CO2-Belastung verursacht ein Flugreise? Auskunft darüber gibt das Umweltbundesamt* und nennt alternative Transportmittel.

Beispiel: Eine Kulturreise nach Irland mit dem Flieger incl. Busrundreise verursacht ca. 570 kg CO2 / Person, die zur Erderwärmung beitragen. Das sind fast 30 % des klimaverträglichen CO2-Budgets** eines Menschen pro Jahr!

Beispiel: Eine Pilgerreise nach Rom mit dem Flieger verursacht ca. 710 kg CO2 / Person, die zur Erderwärmung beitragen. Das sind ca. 35 % des klimaverträglichen CO2-Budgets** eines Menschen pro Jahr!

Alternativ zum Fliegen bietet sich der Nachtzug der Bahn oder eine Busfahrt an. Diese Transportmittel verursachen „nur“ 1/7 der Immission einer Flugreise.

Aufrufe zur Bewahrung der Schöpfung

Gruppenreisen per Flieger widersprechen dem eindringlichen Appellen von Kirchenleitung, Politik und Gesellschaft. In den letzten Wochen wurden die Diskussionen hinsichtlich „Schöpfung bewahren“ und „Klimaschutz“ mit sehr viel Nachdruck geführt:

• Der Papst hat im Vorfeld der Weltklimakonferenz noch einmal sehr deutlich auf den „Schrei der Erde und der Armen“ hingewiesen: https://cc4f-soest.org/papst-warnt-vor-unbewohnbarer-welt/
• Die Dt. Bischofskonferenz mit der Dokumentation zum Schöpfungsengagement (Okt) noch einmal eine klare Erwartungshaltung formuliert: https://cc4f-soest.org/deutsche-bischofskonferenz-schopfungsengagement/
• Auch die Diözese Paderborn hat mit dem Zielbild 2030+ (Okt) noch einmal deutlich die Verantwortung der Kirche betont: https://cc4f-soest.org/zielbild-2030/
• Auf der Podiumsdiskussion „Klimaneutral bis 2030 – Verantwortung für unsere Stadt“ anlässlich der Klimawoche der ev. und kath. Kirche von Soest Ende Aug haben die zahlreichen Zuhörer sehr klar ihre Wünsche in Form von Fragen formuliert: https://cc4f-soest.org/podiumsdiskussion-klimaneutral-bis-2030/



Schöpfungsverantwortung durch nachhaltige Pastorale und Lebensstile

In dem „Zielbild 2030+ für das Erzbistum Paderborn“ ist zu lesen: „Unsere Schöpfungs- und Weltverantwortung äußert sich in einer konsequent nachhaltigen Gestaltung von pastoralem und kirchlichem Leben.“ Auch der Papst und die Dt. Bischöfe fordern: „nachhaltige Lebensstile praktizieren und fördern“ und „die Vorbildfunktion der Kirche ernst nehmen“.

Dies gilt insbesondere für Jungendgruppenreise in Hinblick auf die „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (BNE).

Widersagen wir als Christ*in und beten um Weisheit

Können wir Christen und Christinnen der Versuchung von Flugreisen widerstehen? Bekennen wir uns zum Schöpfungsauftrag? Stärkung finden wir durch die Bibel oder das Gebet des Papstes:

Gebet von Papst Franziskus für „ein fruchtbares Ergebnis“ des Weltklimagipfels COP26
In seinem Gebet erfleht der Papst Weisheit und Kraft für Entscheider, damit sie „dieser ernsten Herausforderung mit konkreten Entscheidungen zu begegnen, die von der Verantwortung gegenüber den heutigen und künftigen Generationen getragen sind.“
„Die Zeit läuft ab; diese Gelegenheit darf nicht vertan werden, damit wir uns nicht dem Gericht Gottes stellen müssen, weil wir es versäumt haben, treue Verwalter der Welt zu sein, die er uns anvertraut hat.“ https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2021-11/cop26-papst-brief-schottland-gebet-fruchtbares-ergebnis.html

Weiterführende Fachinformation

* Information des Umweltbundesamt zu Flugreisen
„Die Klimawirksamkeit von Flugreisen beruht nicht nur auf dem Ausstoß von CO2, auch andere bei der Verbrennung von Kerosin entstehenden Substanzen wie Stickoxide, ⁠Aerosole⁠ und Wasserdampf tra-gen zur Erwärmung der Erdatmosphäre bei. Diese Stoffe wirken sich in luftiger Höhe durch den nur langsamen Abbau stärker aus als am Boden und vergrößern den ⁠Treibhauseffekt⁠ entsprechend:
• Stickoxide bauen unter der Sonneneinstrahlung Ozon auf, das in Reiseflughöhe als starkes ⁠Treibhausgas⁠ wirkt.
• Der Ausstoß von Aerosolen (Partikeln) und von Wasserdampf führt zu einer Veränderung der natürlichen Wolkenbildung.
• Diese verschiedenen Effekte summieren sich derart, dass die Treibhauswirkung des Fliegens im Durchschnitt etwa zwei- bis fünfmal höher ist als die alleinige Wirkung des ausgestoßenen CO2.
Der Luftverkehr belastet jedoch nicht nur das globale ⁠Klima⁠, er hat auch lokale Auswirkungen. So lei-den fast 40 Prozent der deutschen Bevölkerung unter Fluglärm. Dauernder Fluglärm erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herzinfarkt. Bei Kindern im Umkreis von Flughäfen wurden Kon-zentrations- und Lernschwierigkeiten festgestellt. Auch verschlechtert sich die lokale Luftqualität durch den Ausstoß von z.B. Stickoxiden. Weitere Umweltbelastungen ergeben sich durch den Flächenverbrauch beim Bau und Betrieb von Flughäfen.“
https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/mobilitaet/flugreisen#gewusst-wie

Umweltfreundlich mobil! Ein ökologischer Verkehrsartenvergleich für den Personen- und Güterverkehr in Deutschland, Umweltbundesamt, März 2021; (pdf, 44 Seiten, 4,5 MB, url-Link)

Quelle: Umweltbundesamt

** Verbraucherzentrale zur Mobilität

Klimabewusst unterwegs – Verkehrsmittel im Umwelt-, Zeit- und Kostenvergleich, Verbraucherzentrale, 2010;
Verbraucherzentrale Bundesverband e. V.
Klimakampagne „für mich. für dich. fürs klima.“ (pdf, 32 Seiten, 1,6 MB, url-Link)

Abbildung aus dem Buch „Machste dreckig – Machste sauber: Die Klimalösung“ nach UBA (2021)

Kompensation durch Pflanzen von 50 Bäumen

Für die Kompensation von 600 kg CO2 müssten pro Teilnehmer 50 Bäume gepflanzt werden.*
Das ist an einem Tag gut zu schaffen und ein tolles Gruppenerlebnis. Es gibt verschiedene Programm der Wiederaufforstung im Sauerland. Ideen finden Sie hier:

https://www.sauerland.com/Sauerland/Unser-Wald-in-Suedwestfalen/Gemeinsam-fuer-den-Wald

*Quelle: Wie viele Bäume braucht es, um eine Tonne CO2 zu binden? co2online gemeinnützige Beratungsgesellschaft mbH (url-Link)


Wahl des Titels

Als Zarah Leander 1938 in dem Film „Der Blaufuchs“ die Frage stellt: „Kann den Liebe Sünde sein?“ geht es um eine vernachlässigte Ehefrau, die keinen Blaufuchs als Zeichen der Liebe geschenkt bekommt und sich im Geiste von einer Zufallsbekanntschaft küssen lässt. Gegen die Form ihrer Ehe rebellierend singt sie: „Liebe kann nicht Sünde sein. Auch wenn sie es wär‘ so wär’s mir egal. Lieber will ich sündigen mal als ohne Liebe sein!
Das „Happy End“ mit dem „Mann ihrer Träume“ findet in einem Flieger statt. Beim dritten Looping nimmt die Angebetete eine Heiratsantrag an und ist bereit, sich von ihrem Ehemann zu trennen. https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Blaufuchs
Der Film thematisiert die Frage der Jetztzeit: „Wie wollen wir zukünftig leben?“