zum Gedenktag des heiligen Antonius am 17. Jan

Am Gedenktag des heiligen Antonius, der seit jeher als Schutzpatron der Tiere verehrt wird, rückt die katholische Kirche bewusst die „Mitgeschöpfe“ der Welt in den Blick – nicht nur als nette Nebengestalten im Kirchenhof, sondern als tiefgründige Symbole im Glauben und in der Theologie.
In einem aktuellen Vatican News-Artikel wird deutlich, dass Papsttum und Tierwelt seit Langem untrennbar verbunden sind. Die Päpste haben in ihren Ansprachen und Katechesen immer wieder auf die Bedeutung der Tiere verwiesen – nicht nur als Geschöpfe Gottes, sondern als Botschafter göttlicher Wahrheiten:
🕊️ Die Arche Noah bei Johannes Paul II. wird nicht nur als Rettungsboot der Menschheit verstanden, sondern als Zeichen für Gottes Bund mit allen Lebewesen – Vögeln, Vieh und wilden Tieren gleichermaßen. Dadurch wird Gottes Fürsorge wortwörtlich universell gedacht.
Papst Franziskus benutzt das Bild des Lammes als Sinnbild für jene, die in der Welt wirken sollen: nicht durch Macht, sondern durch Demut und Opferbereitschaft. Ein Schaf „unter Wölfen“ mahnt zu Sanftmut statt Dominanz.
Papst Leo XIV. geht noch weiter in philosophischer Tiefe: Er reflektiert über das Bewusstsein und Leiden von Tieren und stellt fest, dass nur der Mensch um seine Sterblichkeit weiß. Diese geistige Dimension unterscheidet uns demnach, macht uns aber auch verantwortlich für die Bewahrung der Schöpfung.
Symbole des Friedens, wie die Taube mit dem Olivenzweig, stehen in der christlichen Tradition für Gottes erneuerten Frieden mit der Welt. Benedikt XVI. betonte, dass nicht nur das Tier selbst, sondern auch der Olivenzweig Botschaftsträger dieser Hoffnung sei.
Ebenso erinnert der demütige Esel, auf dem Jesus in Jerusalem einzog, daran, dass Frieden und Größe in Gottes Augen nicht durch Macht, sondern durch Dienst und Hingabe kommen.
Warum diese Symbolik heute relevant ist
Diese theologische Betrachtung von Tieren geht weit über bloße Tiersegnungen hinaus. Sie reflektiert ein christliches Schöpfungsverständnis, in dem alle Lebewesen Teil eines göttlichen Rufes sind – nicht nur im biologischen Sinne, sondern als Reflexion göttlicher Werte wie Frieden, Demut, Sorge und Hoffnung.
Gerade in einer Zeit, in der Klima, Biodiversität und das Verhältnis des Menschen zur Natur gesellschaftlich stark diskutiert werden, setzt die Kirche mit diesen Reflexionen ein Zeichen: Glaube und Verantwortung für die Schöpfung gehören untrennbar zusammen.
Zum Atikel auf www.vaticannews.va (Link)
1. Zentrale Bezüge aus der Bibel
a) Schöpfung und Mitgeschöpflichkeit
Genesis 1–2
Die Schöpfungserzählungen betonen, dass Tiere nicht nachrangig, sondern eigenständige Geschöpfe Gottes sind. Sie werden – wie der Mensch – durch Gottes Wort ins Dasein gerufen und als „gut“ bezeichnet (Gen 1,20–25).
Der Mensch erhält zwar den Auftrag zur „Herrschaft“ (Gen 1,28), doch diese ist im biblischen Kontext als verantwortliche Fürsorge und nicht als Ausbeutung zu verstehen.
b) Der Bund Gottes mit allen Lebewesen
Genesis 9,8–17
Nach der Sintflut schließt Gott seinen Bund nicht nur mit Noah und den Menschen, sondern ausdrücklich „mit allen lebendigen Wesen“. Der Regenbogen ist somit ein universales Heilszeichen, das Mensch und Tier gleichermaßen einschließt – ein Gedanke, den Johannes Paul II. mehrfach aufgegriffen hat.
c) Tiere als Träger göttlicher Botschaften
- Bileams Esel (Num 22,21–35): Ein Tier erkennt Gottes Willen klarer als der Mensch.
- Der Rabe und die Taube (Gen 8,6–12): Sie werden zu Zeichen der Hoffnung und des neuen Anfangs.
- Der Fisch im Buch Jona (Jona 2): Auch hier wirkt Gott durch ein Tier als Werkzeug des Heils.
d) Tiere in den Psalmen und der Weisheitsliteratur
- Psalm 104 preist Gott als den, der allen Geschöpfen Nahrung gibt – Menschen wie Tieren.
- Sprichwörter 12,10: „Der Gerechte erbarmt sich seines Viehs.“
Hier wird Barmherzigkeit gegenüber Tieren als Ausdruck menschlicher Gerechtigkeit verstanden.
e) Das eschatologische Friedensbild
Jesaja 11,6–9
Das messianische Friedensreich wird als eine Welt beschrieben, in der Mensch und Tier in Harmonie leben: „Der Wolf wohnt beim Lamm.“ Dieses Bild prägt bis heute die christliche Friedenssymbolik.
2. Neuere kirchliche Dokumente und Lehrtexte
a) Enzyklika Laudato si’ (Papst Franziskus, 2015)
Dieses Dokument ist der zentrale Referenztext der Kirche zur Schöpfungsverantwortung. Franziskus betont:
- Tiere besitzen einen Eigenwert vor Gott, unabhängig von ihrem Nutzen für den Menschen.
- Der Mensch ist Teil eines „gemeinsamen Hauses“, nicht dessen Eigentümer.
- Grausamkeit gegenüber Tieren widerspricht einer ganzheitlichen christlichen Ethik.
„Jede Grausamkeit gegenüber irgendeinem Geschöpf widerspricht der Würde des Menschen.“ (LS 92)
b) Apostolisches Schreiben Laudate Deum (2023)
Als Fortschreibung von Laudato si’ verschärft Franziskus den Ton angesichts der ökologischen Krise. Zwar stehen Klima und Umwelt im Fokus, doch Tiere erscheinen implizit als erste Leidtragende menschlicher Verantwortungslosigkeit.
c) Katechismus der Katholischen Kirche (KKK 2415–2418)
Der Katechismus stellt klar:
- Tiere sind Geschöpfe Gottes und verdienen Achtung und Wohlwollen.
- Unnötiges Leiden und Missbrauch von Tieren sind moralisch nicht zu rechtfertigen.
- Gleichzeitig wird der Mensch nicht mit dem Tier gleichgesetzt, sondern als verantwortlicher Verwalter verstanden.
d) Benedikt XVI.: „Grammatik der Schöpfung“
Benedikt XVI. sprach mehrfach von einer inneren Ordnung der Schöpfung, die der Mensch respektieren müsse. Tiere sind Teil dieser „Grammatik“ und dürfen nicht beliebig instrumentalisiert werden, ohne die göttliche Ordnung zu verletzen.
e) Franz von Assisi als spirituelle Referenzfigur
Obwohl kein modernes Dokument, ist der Einfluss des heiligen Franziskus bis heute prägend. Seine Sicht auf Tiere als „Brüder und Schwestern“ bildet das spirituelle Fundament vieler aktueller kirchlicher Aussagen zur Schöpfung.