Kirche mitten im Leben – nicht im Verwaltungsmodus

Appell von FJ Klausdeinken

Der 104. Deutsche Katholikentag in Würzburg stand unter dem Leitwort: „Hab Mut, steh auf!“. Es war ein Ruf nach einer Kirche von Morgen, die nicht um sich selbst kreist, sondern mitten im Leben steht: nahbar, leidenschaftlich und solidarisch. Eine Kirche, die Hoffnung stiftet und Menschen inspiriert, Verantwortung für Frieden, Gerechtigkeit, Menschenwürde, Demokratie und die Schöpfung zu übernehmen.

Umso ernüchternder ist der Blick in manche lokalen Strukturen. Im Dekanat Hellweg drehen sich Debatten um Amtssitze, Leitung und Verwaltungsfragen. Über Strukturfragen wird ausführlich berichtet – bei Inhalten, Visionen oder geistliche Aufbrüche kaum Antworten. Auf der Webseite des PV Soest herrscht Funkstille zum Prozess der neuen Seelsorgeräume. Beteiligung der Basis findet kaum statt, Entscheidungen wirken vielfach „ex cathedra“. Wo bleibt der Dialog auf Augenhöhe? Wo bleibt das gemeinsame Gehen?

Die Kluft zwischen der Sehnsucht vieler Glaubender nach einer synodalen ‚Kirche von Morgen‘ und dem Handeln mancher Verantwortungsträger könnte größer kaum sein. Statt Aufbruch erleben viele Resignation. Statt Inspiration erleben sie Verwaltung. Der Philosoph Jürgen Mannemann spricht von der „Verwaltung eines verbürgerlichten Glaubens“. Dieser Satz trifft ins Herz. Die Menschen brauchen keine selbstbezogenen Strukturen. Sie suchen Sinn, Zugehörigkeit, Resonanz, Mitgefühl und Hoffnung. Sie suchen eine Kirche mit Herzblut statt Aktenordnern. Eine Kirche, die Orientierung gibt, Handlungsräume und Verständigungsort schafft, die Nähe wagt, Vertrauen schenkt und gesellschaftliche Relevanz lebt.

Doch es gibt verlässliche Hoffnungsorte: die kfd, Kolpingfamilien, Landjugend, DPSG, Caritas, DaSein für Obdachlose, Kirchenkaffee, Eine-Welt-Initiativen, Maria 2.0 oder Christians4Future. Dort wird nicht endlos verwaltet, sondern gehandelt. Dort wachsen Vertrauen und Verantwortung. Dort schlägt das Herz einer ‚Kirche von Morgen‘.

„Hab Mut, steh auf!“ Wartet nicht auf Erlaubnis oder perfekte Strukturen. Stärkt die Initiativen, die bereits heute glaubwürdig, menschennah und mutig handeln. Wir sind Kirche und Kirche wird dort lebendig, wo Menschen aufstehen und aus ihrem Glauben heraus die Welt zu einem besseren Ort gestalten.

FJ Klausdeinken