So „ticken“ die Menschen


—  Die Megatrends des 21. Jahrhunderts

Megatrends benennen und beschreiben extrem komplexe Veränderungsdynamiken und sind ein Modell für den Wandel der Welt: eine Methode, die hilft, die hochkomplexen und vielfältigen Veränderungsdynamiken der Gesellschaft im 21. Jahrhundert verständlich und greifbar zu machen. Megatrends sind langandauernd, global, komplex, mehrdimensional und treffen alle Lebensbereiche. In ihrer Dynamik formen sie ganze Gesellschaften um.

12 Megatrends – Die großen Treiber des Wandels
So ist beispielsweise für den Megatrend Silver Society nicht nur der demografische Wandel ein entscheidender Treiber, sondern ebenso der Megatrend Gesundheit und der Megatrend Sicherheit. Der Megatrend New Work wird maßgeblich geprägt durch den Megatrend Globalisierung und die zunehmende digitale Vernetzung, die der Megatrend Konnektivität vorantreibt, genauso wie von einer neuen Rolle von Frauen in Wirtschaft und Gesellschaft, wie im Megatrend Gender Shift beschrieben. In diesem Zusammenhang spielen auch der Megatrend Individualisierung und der Megatrend Wissenskultur eine wichtige Einflussgröße.

Und der Megatrend Urbanisierung hat sowohl entscheidenden Einfluss auf den Megatrend Mobilität als auch auf den Megatrend Neo-Ökologie, da in den wachsenden Städten die meiste Energie auf dem Planeten verbraucht wird und viele Umweltprobleme dort am drängendsten sind.

Quelle: Zukunftsinstituts (url-Link)

Megatrend-Map des Zukunftsinstituts

Die Megatrend-Map

Der Wandel von Gesellschaft und Wirtschaft auf einen Blick: Die Megatrend-Map des Zukunftsinstituts verschafft Ihnen Überblick über die 12 Megatrends, ihre Subtrends und Überschneidungen.

Die einzelnen Stationen einer Megatrend-Linie zeigen die wichtigsten Subtrends, die den Megatrend prägen. Sie verdeutlichen die dynamische Vielfalt, die innerhalb eines Megatrends wirkt.

Der 360-Grad-Blick hilft gegen blinde Flecken. Vielfach bilden sie sich aber aus mehreren ähnlichen und gleichzeitig verlaufenden Phänomenen heraus, die sich gegenseitig verstärken.

weitere Details Zukunftsinstituts (url-Link)

Download der Megatrend-Map (pdf, url-Link)


—   Die Sinus-Milieus


Das Modell der Sinus‐Milieus wird laufend an die soziokulturellen Veränderungen in der Gesellschaft angepasst. Während der Anteil der traditionellen Milieus zurückgeht, beobachten wir ein kontinuierliches Wachstum im modernen Segment. Entwicklungen wie die Flexibilisierung von Arbeit und Privatleben, die Erosion klassischer Familienstrukturen, die Digitalisierung des Alltags und die wachsende Wohlstandpolarisierung resultieren in einer nachhaltig veränderten Milieulandschaft.

Der Kulturwandel innerhalb von 16 Jahre ist gewaltig. Die Verschiebung von „Tradition“ („A“) Richtung „Neuorientierung“ („C“) ist in den Studie 2005 und 2021 deutlich zu erkennen (vgl. Abb. unten). Der Bereich „Tradition“ (A) hat sich von ca. 23% auf 8% und im Gegenzug der Bereich „Neuorientierung“ (C) von ca. 17% auf 37% vergrößert.

Laut MDG Trendmonitor 2021 sind die „Traditionellen“ ein überaltertes „Schrumpfmilieu“: Bis 2030 wird dieses einer Hochrechnungen zufolge nur noch 4% der Bevölkerung ausmachen (minus 7% im Vergleich zu 2020).

Relativ konstant scheint die Gruppe „B“ (Modernisierung) zu sein. Hier sind die Einstellung zu finden: „Kirche auf dem Weg“, „Kirche als familiäre Nahwelt“, „Kirche als professionelles Unternehmen“, „Kirche als Rettungsanker“.

MDG-Milieuhandbuch 2005, S. 7
MDG-Milieuhandbuch 2013, S. 51
Die Sinus-Milieus® 2021, (Kurzübersicht, pdf)

Hinweis: Im Oktober 2021 wurde ein neues Sinus-Milieumodell für Deutschland veröffentlicht. Die Sinus-Milieus 2021 bilden die neue Alltagswirklichkeit – geprägt durch politische Umbrüche, Digitalisierung, populistische Bewegungen und klimatische Extremereignisse – in unserer Gesellschaft ab. Theorie und System des Milieuansatzes bleiben jedoch unverändert. Das neuere Modell bildet lediglich die Strukturen (Verdichtungen und Trennlinien) schärfer ab.

Ein Erklärvideo zeigt, wie die Sinus-Milieus funktionieren (inkl. Beispiele) und wofür sie verwendet werden können (Marketing, strategische Zielgruppen, Personas / Personen, Produkte, Marken und Ideen, Touchpoints, Themen, Ansprache, Wachstumspotentiale).

Eine Kurzbeschreibung der Sinus-Milieus findet sich auf auf Wikipedia (url-Link)

Vergleicht man die Milieu-Beschreibungen 2005 und 2020 z.B. für die „Bürgerlichen Mitte“, so wird deren aktuelle Einstellung als „mehr institutionalisiert“ und „weniger kritisch“ beschrieben. Das liegt daran, dass ein Teil der Gruppe in die neue Gruppe „Sozialökologische“ mit einer kirchenkritischen Grundhaltung überführt und im Gegenzug die Milieugrenze Richtung Untere-Mittelschicht ausgeweitet wurde, die weniger kritisch denkt (vgl. Form und die Lage der „Kartoffel“ von „exklusiv“ B2 (mittlere Mittelschicht) nach B23 (mittlere und Teile der unteren Mittelschicht); der Gesamtanteil hat sich von 16% auf 13% verringert)).

An den Einstellungen der Milieu-Kerngruppen hat sich nur wenig verändert. Nicht das Individuum sondern die Gruppenabgrenzungen haben sich geändert.

  • Die „Bürgerliche Mitte“ empfindet „Kirche als familiäre Nahwelt. Für sie kann Glaube Rückhalt und Orientierung sein (sozial-caritativer Rettungsanken); Kirche ist ein fester Bestanteil des sozialen Gefüges; es besteht eine Akzeptanz gegenüber der ritualisierten religiösen Praxis.
  • Die neue Gruppe der „Sozialökologischen“ lehnt den normativen Anspruch von Kirche ab und der persönliche Glaube ist nicht an eine bestimmte Religion gebunden. Hier gilt eher die Vision einer „Kirche von unten“.

Der aktuelle gesellschaftliche Wandel

Die wichtigsten Entwicklungen, welche zur Veränderung beigetragen haben, gleich vorneweg:

  • Spannungen und Neuformierung bewegen die Mitte der Gesellschaft
  • Nachhaltigkeit, Resilienz und Diversity sind die neuen Leitwerte

Strukturelle Veränderungen:
Demografische Verschiebungen, Veränderungen in Sozialstruktur und Arbeitswelt, Auseinanderdriften von „oben und unten“, von Mitte und Peripherie; Wissensgesellschaft, Multimedia‐Revolution, Digital Divide

Wertekonvergenzen und ‐divergenzen:
Einerseits Leistung und Effizienz, Pragmatismus und Nutzenorientierung, Multioptionalität und Multitasking; andererseits: Regrounding, Suche nach Anker, Halt und Geborgenheit, Nachhaltigkeit und Entschleunigung sowie Neuinterpretation traditioneller Werte, neue Wertesynthesen, selektiver Idealismus

Soziale und kulturelle Folgen:
Entsolidarisierung, Prekarisierung von Teilen der Unterschicht, Konvergenzprozesse im gehobenen Segment, Modernisierung der Funktionselite, Erosion der gesellschaftlichen Mitte, Ausdifferenzierungen im modernen Segment, Network Society, Social Ethics

In der neuesten Übersicht der SINUS-Milieus (2021) gibt es eine Reihe von Veränderungen. Für den kirchlichen Kontext sind die Veränderung im Segment A2/3 und B2/3 besonders bedeutsam: die Umbenennung der „Bürgerlichen Mitte“ in „Nostalgisch-Bürgerliches Milieu“, verbunden mit einem weiteren Schrumpfprozess, dem Verlust der Dominanz in der der „Mitte“ (Segment B2) und einer Verschiebung nach A2/3 (Traditionelles Milieu) und B3 (Prekäres Milieu). [Sinus-Milieus, Wikipedia, url-Link]

Literatur:

Wie ticken Jugendliche? 2020 – Lebenswelten von Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren in Deutschland, Sinus-Milieu-Studie 2020, (pdf, 625 Seiten, 11,6 MB, url-Link)

Die Digitalen Sinus-Milieus® 2020 – Den Menschen hinter dem User verstehen und aktivieren, 2020 (pdf, 12 Seiten, url-Link)

Eine aktuelle, sehr umfassende Beschreibung der religiösen und kirchlichen Orientierungen in den Sinus-Milieus findet sich in dem MDG-Milieuhandbuch 2013 (pdf, 445 Seiten, url-Link

Das MDG-Milieuhandbuch von 2005 ist als Download verfügbar (pdf, 320 Seiten, 7,6 MB, url-Link)


—   Welche Themen bewegen die Menschen in Deutschland

Sicherheit, Gerechtigkeit, Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind wichtige Themen. Religion wird als weniger wichtig gewertet als andere Themen. Dazu wurden 2074 Deutsche ab 18 Jahre befragt. Quelle: Studie „Glaube – Nachhaltigkeit – Gerechtigkeit, YouGov im Auftrag der Stiftung Friedensdialog, 2021 (url-Link)


—   Welche Themen bewegen die Katholik*innen

Für die Katholik*Innen sind Gesundheit, Gerechtigkeit, Menschenrechte sowie Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz wichtige Themen. Die spürbaren Wetterextreme könnten eine Ursache für die häufige Nennung des Themas Gesundheit sein. (vgl. Klimaschutz und gesellschaftlicher Zusammenhalt in Deutschland, Studie more_in_common, 2021, url-Link))
Im Sommer 2020 wurden 1.690 Katholikinnen und Katholiken ab 14 Jahren repräsentativ befragt. Die Studie wurde durchgeführt vom Institut für Demoskopie Allensbach und der Sinus Markt- und Sozialforschung GmbH im Auftrag der MDG Medien-Dienstleistung GmbH mit Unterstützung der Deutschen Bischofskonferenz. Quelle: MDG-Trendmonitor, Religiöse Kommunikation, [url-Link)

Um die Menschen wieder stärker an die Kirche heranzuführen, bieten sich derzeit v. a. sozial- ökologische Themen, für die sich viele Katholiken interessieren, und das soziale Engagement der Kirche an:

Sozialkaritatives Handeln wird in allen Milieus deutlich als Erwartung an die Kirche formuliert. Gleichzeitig hat die Kirche auch in allen Milieus Rückhalt bei ihrem karitativen Engagement und ihrem Einsatz für den Frieden. Soziale Gerechtigkeit gilt in allen Lebensweiten als ein äußerst interessantes Thema – und als ein Thema, zu dem die Kirche Stellung beziehen sollte.

Die Themen Nachhaltigkeit, Umwelt und Klimaschutz werden ebenfalls in den meisten Milieus mehrheitlich als interessant eingestuft und sollten daher stärker aufgegriffen werden (z.B. im Diskurs um die menschliche Verantwortung für die Schöpfung) – hier sind vor allem die modernen Leitmilieus (Performer, Expeditive) und die sozialökologischen Milieus wichtige Kommunikationszielgruppen. [MDG Trendmonitor 2021; vgl. Artikel MDG-Trendmonitor Religiöse Kommunikation 2020/21 url-Link]


—   Umweltbewusstsein in Deutschland

Quelle: 25 Jahre Umweltbewusstseinsforschung im Umweltressort, UBA, 2021, (pdf, 48 Seiten, 3 MB, url-Link)

In der aktuellen Umfrage wurde der Umwelt- und Klimaschutz von 65 % der Befragten als „sehr wichtig“ benannt21. Er gehört damit im Jahr 2020 zu den wichtigsten gesellschaftlichen Themen, zusammen mit dem Zustand des Bildungswesens (78 %), dem Zustand des Gesundheitssystems (73 %), sozialer Gerechtigkeit (66 %) und dem Verlauf und den Folgen der Corona-Pandemie (62 %).

Im Jahr 2018 und noch deutlicher im Jahr 2019 stieg der Stellenwert des Umwelt- und Klimaschutzes dagegen bedeutsam an. Dieser Zuwachs kann in einen Zusammenhang gestellt werden mit dem intensiven Engagement vieler (junger) Menschen, beispielsweise im Kontext der Bewegung Fridays for Future .

Einen bedeutsamen Anstieg gab es im Jahr 2012, also im Jahr nach dem Reaktorunfall von Fukushima.

weiterführende Literatur:
Umweltbewusstsein und Umweltverhalten, Webseite UBA (url-Link)
Umweltbewusstsein in Deutschland 2018, BMU (pdf, 96 Seiten, 4,3 MB, url-Link)


—   Nähe zu Nachhaltigkeit und Grundeinstellung

90 % der Deutschen sind lt. einer aktuellen Umfange des SINUS-Instituts aus 2020 der Meinung, das jeder Einzelne seinen persönlichen Beitrag zu Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz leisten muss und 65 % meinen, dass die Politik in Deutschland Umwelt und Klimaschutz vor wirtschaftliche Interessen stellen muss. [Die Digitalen Sinus-Milieus® 2020, url-Link]

Die Umfange des SINUS-Instituts aus 2020 berichten 59% der Befragten, dass sie in den letzten 12 Monaten ihr Verhalten bewusst verändert haben, um nachhaltiger zu leben. Auffällig ist die geringere Bereitschaft der „Bürgerlichen Mitte“, der „Traditionellen“ und der „Prekären“ Milieus. [Die Sinus® Infopaket Nachhaltigkeit Milieus, 2020, url-Link]


—  Die (Klima-)sorgen im Details

More in Common hat, gefördert von der European Climate Foundation, über 2.000 Menschen zu ihren Einstellungen rund um Klimakrise, Klimaschutz und Klimadebatte befragt. Quelle: Die andere deutsche Teilung: Zustand und Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft, more in common,, 2019, (pdf, 168 Seiten, 4 MB, url-Link)


—  Bundestagswahl 2021

Wie haben eigentlich christliche Wähler*Innen bei der Bundestagswahl abgestimmt? Das hat die Forschungsgruppe Wahlen untersucht. Sie kommt zudem Ergebnis, dass es sowohl Unterschiede im Wahlverhalten von Protestant+Innen und Katholik+Innen als auch zwischen christlichen und konfessionslosen Wählerinnen gibt. Quelle: Sonntagsbaltt vom 28.09.21 (url-Link)


—  Die Aufgabenstellung
Zielgruppen- und Handlungsorientierung


„Die Pastoralen Räume leben ganz aus den Bedürfnissen der Menschen oder sie scheitern.“

Menschen kehren auch deshalb der Kirche den Rücken, weil sie nichts mehr mit ihrem Leben zu tun hat. Wenn sich Lebenswelten verändern, muss sich auch unser Handeln verändern. Wir müssen uns konsequent auf das ausrichten, was Menschen bewegt. Wir werden daran gemessen, wie wir auf diese Bedürfnisse eingehen. Die Menschen sollen durch unsere Pastorales Handeln einen Mehrwert für ihr eigenes Leben entdecken. Quelle: Kurzvideo Diözesantag 2020: https://www.youtube.com/watch?v=KwpfNKwkqrI

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