Zwei synodale Prozesse – in Deutschland und weltweit

Zweite Synodalversammlung in Frankfurt – Startschuss am 9. Oktober in Rom

Zweite Synodalversammlung am 02.10.21 in Frankfurt beendet

Die zweite Synodalversammlung des Synodalen Weges der katholischen Kirche in Deutschland ist heute (2. Oktober 2021) zu Ende gegangen. Während der dreitägigen Veranstaltung wurden neben zwei Texten des Präsidiums des Synodalen Weges insgesamt zehn von 16 Texten aus den vier Synodalforen, diskutiert und abgestimmt, um sie in den Synodalforen für die nächste Lesung fortzuschreiben. Einen Schwerpunkt bildeten auch Fragen der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen im Bereich der katholischen Kirche und die Einrichtung einer Verwaltungsgerichtsbarkeit.

Die Abstimmungsergebnisse der Texte zeigen, dass die Synodalen kontinuierlich und mit Engagement an den Texten weiterarbeiten wollen, die zur ersten Lesung in die Synodalversammlung gegeben worden sind, so das Präsidium des Synodalen Weges. „Einzelne Änderungsantrage gingen im Schnitt mit Zweidrittelmehrheiten durch. Die zwölf Schlussabstimmungen der Versammlung darüber, die Texte insgesamt zur Weiterarbeit zu empfehlen, hatten eine Zustimmung zwischen 76 und 92 Prozent.“ Längere, engagierte Debatten gab es insbesondere zu den Fragen, wie Synodalität nachhaltig zu stärken sei und wie das priesterliche Leben heute für morgen neu bestimmt werden könne.

Das Präsidium bedauerte zum Abschluss der Beratungen, dass am Samstagnachmittag nicht alle Texte bearbeitet werden konnten, weil die Zeit zu knapp wurde und am Ende die Beschlussfähigkeit der Synodalversammlung nicht mehr gegeben war.

Papst startet weltweit synodalen Prozess am 09. Okt. 2021

Die katholische Kirche leidet weltweit unter massivem Vertrauensverlust. Der Papst hat einen mehrjährigen Reformprozess eingeleitet, der aus der Krise führen soll, und dazu Bischöfe aus aller Welt zur Synode nach Rom eingeladen.

Der Papst Franziskus hat zum Umdenken aufgerufen. Würde man weitermachen wie bisher, wäre das „Gift im Leben der Kirche“. Der Satz – „das haben wir schon immer so gemacht“ – zählt nicht mehr als Argument. „Dieser Satz ist Gift im Leben der Kirche. Wer sich in diesem Horizont bewegt, gerät, auch ohne es zu bemerken, in den Irrtum, die Zeit nicht ernst zu nehmen, in der wir leben“, sagte Franziskus bei der Eröffnungsfeier im Vatikan. „Das Risiko besteht, dass am Ende alte Lösungen für neue Probleme angewendet werden.“ Der Papst kritisiert auch „gewisses elitäres Gehabe“ von Priestern. Die Gläubige sollen in Pfarreien und Bistümern in der ganzen Welt debattieren, wie möglichst viele einfache Katholiken an kirchlichen Entscheidungsprozessen beteiligt werden können. Die dabei erarbeiteten Vorschläge sind dann Gesprächsgrundlage für die Weltbischofssynode im Herbst 2023 im Vatikan. Deren Thema lautet: „Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung.“

Der Prozess besteht aus drei Phasen: Einer diözesanen, einer kontinentalen und einer weltkirchlichen. Dabei handle es sich nicht nur um ein Ereignis, „sondern ein Prozess, bei dem das Volk Gottes, das Kollegium der Bischöfe und der Bischof von Rom gemeinsam einbezogen sind, alle gemäß den ihnen zukommenden Funktionen„, so die Mitteilung des Synodensekretariats.

Wenn nicht das ganze Volk Gottes teilnimmt, drohe „die Rede von Gemeinschaft nur fromme Absicht“ zu bleiben, sagte der Papst bei der Eröffnungsfeier am Samstagmorgen im Vatikan. Zwar gebe es Fortschritte im Bereich Partizipation; aber „wir können nicht umhin, das Unbehagen und Leid vieler pastoraler Mitarbeiter, der partizipativen Organe in den Bistümern und Pfarreien und der Frauen“ zu registrieren, so Franziskus.

Werde Synodalität ernst genommen, indem Menschen sorgsam aufeinander und auf Gottes Stimme hörten, bietet sich laut Aussage des Papstes die Chance, dass die Kirche dauerhaft synodal wird. Synodalität bestehe dann nicht nur aus einzelnen Veranstaltungen. In Ruhe aufeinander zu hören, biete zudem die Chance innezuhalten, sich von pastoralen Ängsten zu befreien. Im Ergebnis könne die Kirche, Geistliche wie Laien, dann wieder näher bei den Menschen leben.

Am 9. und 10. Oktober fällt der Startschuss in Rom, am 17. Oktober folgt die Eröffnung in den Ortskirchen. Von Oktober 2021 bis April 2022 sollen auf der Grundlage von Dokumenten, Fragebögen und Handreichungen aus dem Vatikan Anhörungen in den Diözesen abgehalten werden.

Zwei Synodale Wege – Unterschiedliche Ansätze in Rom und Deutschland

Franziskus will kein Kirchenparlament. Da unterscheidet sich der Synodale Weg des Papstes deutlich von dem Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland, der ebenfalls ein „Synodaler Weg“ ist. Auch inhaltlich sind die beiden Veranstaltungen grundverschieden.

Dem Papst geht es eher um methodische Fragen: Wie können wir gemeinsam Kirche gestalten?

In Deutschland stehen konkrete, inhaltliche Fragen im Vordergrund, zum Beispiel: Welche Rolle können Frauen in der Kirche spielen? Soll die Amtszeit von Bischöfen begrenzt werden?

Diskussion zum Synodalen Weg in Soest offenbart Stärken und Schwächen vor Ort

Auch der Pastorale Raum in Soest ist mit einem synodalen Weg gestartet. Nach einer Auftaktveranstaltung im Rahmen eines Gottesdienstes der „Kirche am See“ in Möhnesee fand am 19.09.20 auf dem Kirchplatz von Hl. Kreuz in Soest eine Folgeveranstaltung statt. Unter dem Leitthema „Gemeinde leben – Kirche gestalten – Impulse aus dem Synodalen Weg für unser Gemeindeleben vor Ort“ waren Christen aus dem Pastoralen Raum Soest der Einladung gefolgt, über die Zukunft der katholischen Kirche zu diskutieren.

Der Diözesanvorsitzende und Mitglied der Vollversammlung des Synodalen Wegs, Jan Hilkenbach, setzte mit seinem Impulsvortrag wichtige Akzente. Es ging um Macht, Priester, Laien, Frauen, Partnerschaften und Sexualität. Besonders aufmerksam verfolgten die Zuhörer dem Bericht von der Regionalkonferenz in Dortmund.

weitere Details: Webseite des PR Soest (url-Link)

Der Synodalen Weg, Pressemeldung 02.10.21 (url-Link)
FAZ vom 09.10.21 (url-link) und vom 10.10.21 (url-Link)
Tagesschau vom 09.10.21 (url-Link) (url-Link)
katholisch.de vom 21.05.21 (url-link)

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