Einfach mit dem Flugzeug zu Franz von Assisi?

Kommentar zum Reiseverhalten des PR Soest

Fastenzeit „einfach leben“.

Mit der Fastenzeit beginnt erneut die Einladung zum „einfach leben“. Der Pastorale Raum Soest ruft zur spirituellen Umkehr auf – weg vom ‚immer mehr‘, hin zu ‚einem Leben im Genug‘, achtsam gegenüber Mensch und Schöpfung. Das sind starke Signale und eine wichtige Initiative. Denn Fastenzeit will eine Haltung einüben, die in das Jahr trägt: weniger nehmen, bewusster leben, solidarischer handeln.

Umso irritierender wirkt vor diesem Hintergrund die geplante „Pilgerreise“ des Pastoralen Raums nach Assisi – per Flugzeug. Ausgerechnet dorthin also, wo Franz von Assisi lebte, jener Heilige, der radikale Einfachheit nicht nur predigte, sondern lebte. Franz ging zu Fuß. Nicht aus romantischer Askese, sondern weil Nähe zu Gott, zu den Armen und zur Mitwelt für ihn untrennbar zusammengehörten. Seine Spiritualität war zutiefst ökologisch, lange bevor es dieses Wort gab. Sein Sonnengesang erinnert bis heute daran: Lobpreis Gottes bedeutet Respekt vor allen Geschöpfen und freiwillige Begrenzung des eigenen Lebensstils.

Franz von Assisi lebte eine Ökospiritualität

Das  Jubiläumsjahr anlässlich seines 800. Todestages ist eine Einladung, Franz neu zu entdecken – als Mahner für einen achtsamen Umgang mit dem Leben auf dieser Erde. Doch was geschieht stattdessen? Rund 40 Menschen aus Soest steigen ins Flugzeug, um der franziskanischen Schöpfungsspiritualität näherzukommen. Kann man sich einem Heiligen nähern, indem man seine zentrale Botschaft praktisch überfliegt?

Ein Flug nach Italien verursacht pro Person mehrere hundert Kilogramm CO₂. Multipliziert mit einer ganzen Reisegruppe wird aus einem frommen Vorhaben eine erhebliche Belastung für Klima und Biodiversität. Die Folgen tragen vor allem Arme und Menschen im globalen Süden – jene also, auf deren Seite Franz stand und auf deren Schutz sich Kirche ausdrücklich verpflichtet weiß. Spätestens seit der Enzyklika „LAUDATO SI‘ von Papst Franziskus über die Sorge für das gemeinsame Haus“ (2015) ist klar: Bewahrung der Schöpfung ist kein spirituelles Zusatzprogramm, sondern Kern christlicher Verantwortung. Wer „heilsam sein“ predigt und zugleich vermeidbare Flugkilometer sammelt, beschädigt nachhaltig die eigene Glaubwürdigkeit. Menschen registrieren sehr genau, wenn Worte und Handeln auseinanderfallen.

Kann Fliegen Sünde sein?

Die Frage drängt sich daher beinahe spitzbübisch auf: Kann Fliegen Sünde sein? Sicherlich dann, wenn wir wissen, dass es vermeidbaren Schaden verursacht – und uns dennoch für die bequemere Variante entscheiden. Eine Ökospiritualität mit Kerosinzuschlag gibt es nicht! Dabei liegen Alternativen auf der Hand: Pilgern mit Bahn, Bus und Fußwegen. Eine franziskanische Woche vor der eigenen Haustür. Die spirituelle Entdeckung der eigenen Landschaft. Umkehr beginnt selten spektakulär – aber immer konkret.

Eine Ökospiritualität mit Kerosinzuschlag gibt es nicht!

Fastenzeit heißt, neu zu fragen: Was genügt wirklich? Der Pastorale Raum Soest könnte hier Vorreiter sein und zeigen, dass „einfach leben“ mehr ist als ein Motto. Ein Verzicht auf Flugreisen wäre ein starkes Zeichen – glaubwürdig, hoffnungsvoll und zutiefst franziskanisch.

Dr. Franz-Josef Klausdeinken

Die gekürzte Version wurde im Soester Anzeiger am 04.03.26 als Leserbrief abgedruckt