EKD-Chef Bedford-Strohm geht und zieht Bilanz

Mahnende Worte nach 7-jähriger Amtszeit

Bild: Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD (url-Link)

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Nach sieben Jahren nimmt Heinrich Bedford-Strohm Abschied als EKD-Ratsvorsitzender. Er moderierte den Auftakt eines Reformprozesses, trat für den Schutz von Flüchtlingen ein. Zuletzt bestimmte die Corona-Pandemie seine Arbeit – und seinen Abschied.

Der scheidende EKD-Ratsvorsitzende fordert von seiner Kirche: weiter eine „ausstrahlungsstarke Kirche zu sein“. Dazu seien Allianzen zwischen Kirche und anderen Organisationen nötig sowie „da präsent zu sein, wo sich das Leben der Menschen abspielt, anstatt darauf zu warten, dass die Menschen sich in die vorgegebenen Strukturen begeben“.

Es könne auch nicht sein, dass diejenigen, die bisher die Gemeinde prägten, als einzige über die Zukunft entschieden. Es komme nun auf „junge Menschen“ an, „die andere Schwerpunkte haben“. Zukünftig jüngere Menschen zu gewinnen ist eine Herausforderung. So sind die Delegierten der Synode der Evangelischen Kirche mittlerweile zu knapp einem Fünftel zwischen 20 und 30 Jahre und die Präses der Synode, Anna-Nicole Heinrich, ist 25 Jahre alt. Eine selbstverständliche Mitgliedschaft in der Volkskirche, wie es für Generationen zuvor galt, vor allem im Westen Deutschlands, gibt es nicht mehr.

Ein Herzensprojekt von Bedford-Strohm war die Seenotrettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer. Tatenlos dem Sterben zusehen, das ist für ihn und viele Menschen in der Evangelischen Kirche keine Option. Mittlerweile konnten mit den auch von der Kirche unterstützten Schiffen etwa 2.000 Menschen geborgen werden. „Eine Mutter hat mir gesagt, ihr Sohn wollte aus der Kirche austreten, aber jetzt bliebe er. Das zeigt: Wir müssen mutiger sein. Wir müssen unkonventioneller sein. Wir müssen auch mal was riskieren.“ Ganz aktuell befinden sich 800 Gerettete an Bord der Sea-Eye4 und sollen in Sizilien an Land gehen. Das Rettungsschiff wurde mit Hilfe von kirchlichen Spenden zur Rettung von Flüchtlingen ins Mittelmeer geschickt. 

Die Ökumene machte Fortschritte. Die gegenseitige Einladung zu Abendmahl und Eucharistie am diesjährigen Ökumenischen Kirchentag oder das gemeinsame Auftreten vor der Presse oder Veröffentlichung von gemeinsamen Dokumenten sind ist nur ein Zeichen hierfür. So wurde u.a. im Oktober das Gemeinsames Wort der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz „Migration menschenwürdig gestalten“ herausgegeben (url-Link).

Beim Thema „sexualisierte Gewalt in der Kirche“ zeigt sich Bedford-Strohm selbstkritisch und unzufrieden mit dem Erreichten. Wir haben das Vertrauen vieler Menschen verloren und es ist uns bisher nicht gelungen, es in ausreichendem Maß zurückzugewinnen.

Abschied auf Distanz, EKD 07.11.21 (url-Link)

Meldung des ZDF vom 07.11.21 (url-Link)

Meldung der EKD Nov. 2020, Hinaus ins Weite – Kirche auf gutem Grund. Zwölf Leitsätze für die zukünftige Arbeit der evangelischen Kirche (url-Link)


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