Schöpfungsverantwortung

Die ökologische Krise hat eine religiöse Dimension. Sie stellt uns die Frage, was unsere Existenz trägt, ihr Zukunft gibt und Sinn verleiht. Sie stellt die Frage nach dem Selbstverständnis des Menschen und nach dem Eigenwert eines jeden Lebewesens stellt. Was rechtfertigt unser Tun vor den kommenden Generationen?

Die Botschaft, die Jesus Christus uns gebracht hat, verläuft in zwei Richtungen: eine vertikale Dimension, die die Beziehung der Menschheit mit dem Schöpfer und eine horizontale, die die Beziehung der Menschheit mit der Mit-Welt herstellt. Hierbei ist die Gerechtigkeit ein zentrales Thema in der Bibel.

Die Umweltkrise des Anthropozäns fordert und Christen und die Theologie heraus. Gott selbst ist es, der durch Aufbrüche und Umbrüche der gegenwärtigen Zeit zu uns spricht und eine Antwort fordert. Was haben wir zu unserer Gegenwart zu sagen und kann dies Hoffnung vermitteln? Die ökologische Krise wird hiermit zu einer Offenbarung und unsere Spiritualität ist zur Überwindung der ökologischen Katastrophe wichtig.


Ökotheologie – Schöpfung im AT und NT

  • 1Mo 1,21 Und Gott erschuf die großen Wassertiere und alle Lebewesen, die sich fortbewegen nach ihrer Art, von denen das Wasser wimmelt, und alle gefiederten Vögel nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war. Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehrt euch! Füllt das Wasser im Meer und die Vögel sollen sich auf Erden vermehren.
  • 1Mo 1,26-31 Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! Sie sollen walten über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen. Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie. Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen! Dann sprach Gott: Siehe, ich gebe euch alles Gewächs, das Samen bildet auf der ganzen Erde, und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin. Euch sollen sie zur Nahrung dienen. Allen Tieren der Erde, allen Vögeln des Himmels und allem, was auf der Erde kriecht, das Lebensatem in sich hat, gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung. Und so geschah es. Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut. Es wurde Abend und es wurde Morgen: der sechste Tag.
  • 1.Mose, 31 Und Gott sah an alles, was er gemach hatte, und siehe, es war sehr gut.
  • 1Mo 2,8 Dann pflanzte Gott, der HERR, in Eden, im Osten, einen Garten und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte.
  • 1Mo 2,15 Gott, der HERR, nahm den Menschen und gab ihm seinen Wohnsitz im Garten von Eden, damit er ihn bearbeite und hüte.
  • 1Mo 9, 1-4 Seid fruchtbar, mehrt euch und füllt die Erde! Furcht und Schrecken vor euch soll sich auf alle Tiere der Erde legen, auf alle Vögel des Himmels, auf alles, was sich auf dem Erdboden regt, und auf alle Fische des Meeres; in eure Hand sind sie gegeben. Alles, was sich regt und lebt, soll euch zur Nahrung dienen. Das alles übergebe ich euch wie die grünen Pflanzen. Nur Fleisch mit seinem Leben, seinem Blut, dürft ihr nicht essen.
  • 1Mo 9, 9-10 Ich bin es. Siehe, ich richte meinen Bund auf mit euch und mit euren Nachkommen nach euch und mit allen Lebewesen bei euch, mit den Vögeln, dem Vieh und allen Wildtieren der Erde bei euch, mit allen, die aus der Arche gekommen sind, mit allen Wildtieren der Erde überhaupt.
  • 3.Mose 25, 3 – 4 Sechs Jahre sollst du dein Feld besäen, sechs Jahre sollst du deinen Weinberg beschneiden und seinen Ertrag ernten. Aber im siebten Jahr soll das Land eine vollständige Sabbatruhe für den HERRN halten: Dein Feld sollst du nicht besäen und deinen Weinberg nicht beschneiden. Den Nachwuchs deiner Ernte sollst du nicht ernten und die Trauben deines nicht beschnittenen Weinstockes sollst du nicht lesen. Für das Land soll es ein Jahr der Sabbatruhe sein.
  • 3Mos 25,23 Das Land darf nicht endgültig verkauft werden; denn das Land gehört mir, und ihr seid nur Fremde und Halbbürger bei mir
  • 5Mo 10,14 Sieh, dem HERRN, Gott, gehören der Himmel, der Himmel über den Himmeln, die Erde und alles, was auf ihr lebt.
  • Ps 8,2 LUT HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel!
  • Ps 19,2-4; 8 Schl. „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung verkündigt das Werk seiner Hände. Es fließt die Rede Tag für Tag, Nacht für Nacht tut sich die Botschaft kund. Es ist keine Rede und es sind keine Worte, deren Stimme unhörbar wäre. Das Gesetz des HERRN ist vollkommen, es erquickt die Seele; das Zeugnis des HERRN ist zuverlässig, es macht den Unverständigen weise.“
  • Ps 24,1-2 EU Dem HERRN gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner.
  • Ps 33,6 Durch das Wort des Herrn wurden die Himmel geschaffen
  • Psalm 96 Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich, das Meer brause und was darinnen ist; das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; jauchzen sollen alle Bäume im Walde,…
  • Ps 104,24 Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, / sie alle hast du mit Weisheit gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
  • Ps 104,30 „Sende deinen Geist, Herr, und erneuere das Antlitz der Erde“
  • Jdt 16,14 Dienen muss dir deine ganze Schöpfung.
  • Tob 8,5 Der Himmel und deine ganze Schöpfung sollen dich preisen in alle Ewigkeiten!Spr 3,19 Der HERR hat die Erde mit Weisheit gegründet / und mit Einsicht den Himmel befestigt.
  • Weis 16,24 Denn die Schöpfung, die dir, ihrem Schöpfer, dient, / steigert ihre Kräfte, um die Schuldigen zu bestrafen, / und hält sie zurück, um denen Gutes zu tun, die auf dich vertrauen.
  • Sir 16,16 In der ganzen Schöpfung ist sein Erbarmen sichtbar, / sein Licht und die Finsternis hat er Adam zugeteilt.
  • Sprüche 12,11 Wer sein Feld bestellt, wird satt von Brot, wer nichtigen Dingen nachjagt, ist ohne Verstand.
  • Mt 6,25-34 Gott liebt und kümmert sich um die ganze Schöpfung.
  • Mk 13,19 Denn jene Tage werden eine Drangsal sein, wie es sie nie gegeben hat, von Anfang der Schöpfung, die Gott geschaffen hat, bis heute, und wie es auch keine mehr geben wird.
  • Mk 16,15 Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!
  • Apg2, 44-45 Und alle, die glaubten, waren an demselben Ort und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und teilten davon allen zu, jedem so viel, wie er nötig hatte.
  • Röm 1,20 Seit Erschaffung der Welt wird nämlich seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit. Daher sind sie unentschuldbar.
  • Röm 8,19 Denn die Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes.
  • Röm 8,20 Gewiss, die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin:
  • Röm 8,21 Denn auch sie, die Schöpfung, soll von der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.
  • Röm 8,22 Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.
  • Röm 11,36 Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.
  • Kol 1,23 Doch müsst ihr im Glauben bleiben, fest und in ihm verwurzelt, und ihr dürft euch nicht von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt, abbringen lassen. In der ganzen Schöpfung unter dem Himmel wurde es verkündet und ich, Paulus, bin sein Diener geworden.
  • Jak 1,18 Aus freiem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren, damit wir eine Erstlingsfrucht seiner Schöpfung seien.
  • Offb 1,8 Ich bin das Alpha und das Omega, spricht Gott, der Herr, der ist und der war und der kommt, der Herrscher über die ganze Schöpfung.
  • Offb 15,3 Groß und wunderbar sind deine Taten, Herr, Gott und Herrscher über die ganze Schöpfung. Gerecht und zuverlässig sind deine Wege, du König der Völker!


Gott erschuf den Menschen und machte ihn zum Verwalter

Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! Sie sollen walten über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen. 1Mo 1,26

Die Bildaussage steht in der Mitte zwischen der Schöpfungs- und der Herrschaftsaussage und einem doppelten Herrschaftsauftrags (Verwalter der Tieren und der Erde). Es handelt sich um eine universale Ordnungsfunktion, die der Mensch als lebendige Repräsentant des Schöpfergottes in der Schöpfung wahrnimmt.

Der Mensch ist also „Bild Gottes“, insofern er sich verantwortlich handelnd zu seinem Lebensraum samt den Lebewesen darin verhält. Er wird nicht zu einer autonomen Verfügen über die Tierwelt für selbstgewählte Zwecke ermächtigt.

Quelle: Janowski (2008): Die Welt als Schöpfung. Beiträge zur Theologie des Alten Testaments. Neukirchen-VIuyn.


Noah trägt die Schöpfungssegen weiter und verheißt der nachsintflutliehen Menschheit damit eine Zukunft

Während Gen 1,26-28 die Erschaffung des Menschen zum/r „Bild/Statue“ Gottes und die Beauftragung dieses Menschen zur Herrschaft über die Tiere sowie zur Inanspruchnahme der Erde beschreibt, reut Gott die Übertragung der Verantwortung auf den Menschen und schickt eine Sinflut.

Der HERR sah, dass auf der Erde die Bosheit des Menschen zunahm und dass alles Sinnen und Trachten seines Herzens immer nur böse war. Da reute es den HERRN, auf der Erde den Menschen gemacht zu haben, und es tat seinem Herzen weh. Der HERR sagte: Ich will den Menschen, den ich erschaffen habe, vom Erdboden vertilgen, mit ihm auch das Vieh, die Kriechtiere und die Vögel des Himmels, denn es reut mich, sie gemacht zu haben. Nur Noach fand Gnade in den Augen des HERRN. (1Mo 6, 5-9)

In einer Art „Notverordnung“ versucht Gott die gute Ordnung der uranfänglichen Schöpfung wieder herzustellen.

Nachdem die Wasser vollständig von der Erde weggetrocknet waren (Gen 8,13a.14) und Noah mit allem, was bei ihm war, die Arche auf Gottes Befehl hin verlassen hatte (Gen 8,15-17, 18f.), segnete Gott Noah und seine Söhne und sagte zu ihnen:

Seid fruchtbar, mehrt euch und füllt die Erde! Furcht und Schrecken vor euch soll sich auf alle Tiere der Erde legen, auf alle Vögel des Himmels, auf alles, was sich auf dem Erdboden regt, und auf alle Fische des Meeres; in eure Hand sind sie gegeben. Alles, was sich regt und lebt, soll euch zur Nahrung dienen. Das alles übergebe ich euch wie die grünen Pflanzen. Nur Fleisch mit seinem Leben, seinem Blut, dürft ihr nicht essen. (1Mo 9, 1-4)

Quelle: Janowski (2008): Die Welt als Schöpfung. Beiträge zur Theologie des Alten Testaments. Neukirchen-VIuyn.


Franziskus von Assisi – Ahnherr der Ökotheologie

Als Ahnherr und Vorläufer der Ökotheologie kann der Heilige Franziskus von Assisi gesehen werden. 1979 wurde Franziskus von Papst Johannes Paul II. zum Patron des Umweltschutzes und der Ökologie ernannt. In der Proklamationsurkunde Inter Sanctos verwies er auf die große Wertschätzung, die Franziskus der belebten und unbelebten Natur entgegengebracht und aus der heraus er Mond und Gestirne, Feuer, Wasser, Luft und Erde als „Geschwister“ wahrgenommen habe. Papst Franziskus wählte die Anfangsworte des Sonnengesangs von Franziskus von Assisi 2015 zum Incipit seiner Enzyklika Laudato si’. [Quelle: Ökotheologie, Wikipedia, url-Link]


Ökotheologie in der Enzyklika Laudato si’

.DIE WEISHEIT DER BIBLISCHEN ERZÄHLUNGEN
In der ersten Schilderung des Schöpfungswerkes im Buch Genesis schließt der Plan Gottes die Erschaffung der Menschheit ein. Nach der Erschaffung des Menschen heißt es: „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut“ (Gen 1,31). Die Bibel lehrt, dass jeder Mensch aus Liebe erschaffen wurde, als Abbild Gottes und ihm ähnlich (vgl. Gen 1,26). Diese Aussage macht uns die unermessliche Würde jedes Menschen deutlich.

Die Schöpfungsberichte im Buch Genesis enthalten in ihrer symbolischen und narrativen Sprache tiefgründige Lehren über das Menschsein und seine historische Wirklichkeit. Diese Erzählungen deuten an, dass sich das menschliche Dasein auf drei fundamentale, eng miteinander verbundene Beziehungen gründet: die Beziehung zu Gott, zum Nächsten und zur Erde. Der Bibel zufolge sind diese drei lebenswichtigen Beziehungen zerbrochen, nicht nur äußerlich, sondern auch in unserem Innern. Dieser Bruch ist die Sünde. Die Harmonie zwischen dem Schöpfer, der Menschheit und der gesamten Schöpfung wurde zerstört durch unsere Anmaßung, den Platz Gottes einzunehmen, da wir uns geweigert haben anzuerkennen, dass wir begrenzte Geschöpfe sind. Diese Tatsache verfälschte auch den Auftrag, uns die Erde zu „unterwerfen“ (vgl. Gen 1,28) und sie zu „bebauen“ und zu „hüten“ (vgl. Gen 2,15). Als Folge verwandelte sich die ursprünglich harmonische Beziehung zwischen dem Menschen und der Natur in einen Konflikt (vgl. Gen 3,17–19).

Wir sind nicht Gott. Die Erde war schon vor uns da und ist uns gegeben worden. Das gestattet, auf eine Beschuldigung gegenüber dem jüdisch-christlichen Denken zu antworten: Man hat gesagt, seit dem Bericht der Genesis, der einlädt, sich die Erde zu „unterwerfen“ (vgl. Gen 1,28), werde die wilde Ausbeutung der Natur begünstigt durch die Darstellung des Menschen als herrschend und destruktiv. Das ist keine korrekte Interpretation der Bibel, wie die Kirche sie versteht. Wenn es stimmt, dass wir Christen die Schriften manchmal falsch interpretiert haben, müssen wir heute mit Nachdruck zurückweisen, dass aus der Tatsache, als Abbild Gottes erschaffen zu sein, und dem Auftrag, die Erde zu beherrschen, eine absolute Herrschaft über die anderen Geschöpfe gefolgert wird. Es ist wichtig, die biblischen Texte in ihrem Zusammenhang zu lesen, mit einer geeigneten Hermeneutik, und daran zu erinnern, dass sie uns einladen, den Garten der Welt zu „bebauen“ und zu „hüten“ (vgl. Gen 2,15).

Während „bebauen“ kultivieren, pflügen oder bewirtschaften bedeutet, ist mit „hüten“ schützen, beaufsichtigen, bewahren, erhalten, bewachen gemeint. Das schließt eine Beziehung verantwortlicher Wechselseitigkeit zwischen dem Menschen und der Natur ein. Jede Gemeinschaft darf von der Erde das nehmen, was sie zu ihrem Überleben braucht, hat aber auch die Pflicht, sie zu schützen und das Fortbestehen ihrer Fruchtbarkeit für die kommenden Generationen zu gewährleisten.

Denn „dem Herrn gehört die Erde“ (Ps 24,1), ihm gehört letztlich „die Erde und alles, was auf ihr lebt“ (Dtn 10,14). Darum lehnt Gott jeden Anspruch auf absolutes Eigentum ab: „Das Land darf nicht endgültig verkauft werden; denn das Land gehört mir, und ihr seid nur Fremde und Halbbürger bei mir“ (Lev 25,23).

Diese Verantwortung gegenüber einer Erde, die Gott gehört, beinhaltet, dass der Mensch, der vernunftbegabt ist, die Gesetze der Natur und die empfindlichen Gleichgewichte unter den Geschöpfen auf dieser Welt respektiert, „denn er gebot, und sie waren erschaffen. Er stellte sie hin für immer und ewig, er gab ihnen ein Gesetz, das sie nicht übertreten“ (Ps 148,5b–6). Daher kommt es, dass die biblische Gesetzessammlung sich damit aufhält, dem Menschen verschiedene Vorschriften nicht nur in Beziehung zu den anderen Menschen, sondern auch in Beziehung zu den anderen Lebewesen zu geben: „Du sollst nicht untätig zusehen, wie ein Esel oder ein Ochse deines Bruders auf dem Weg zusammenbricht. Du sollst dann nicht so tun, als gingen sie dich nichts an […] Wenn du unterwegs auf einem Baum oder auf der Erde zufällig ein Vogelnest mit Jungen oder mit Eiern darin findest und die Mutter auf den Jungen oder auf den Eiern sitzt, sollst du die Mutter nicht zusammen mit den Jungen herausnehmen“ (Dtn 22,4.6). Auf dieser Linie wird die Ruhe am siebten Tag nicht nur für den Menschen vorgeschrieben, sondern auch, „damit dein Rind und dein Esel ausruhen“ (Ex 23,12). Auf diese Weise bemerken wir, dass die Bibel keinen Anlass gibt für einen despotischen Anthropozentrismus, der sich nicht um die anderen Geschöpfe kümmert.

Während wir die Dinge in verantwortlicher Weise gebrauchen dürfen, sind wir zugleich aufgerufen zu erkennen, dass die anderen Lebewesen vor Gott einen Eigenwert besitzen und ihn „schon allein durch ihr Dasein preisen und verherrlichen“41, denn der Herr freut sich seiner Werke (vgl. Ps 104,31). Gerade wegen seiner einzigartigen Würde und weil er mit Vernunft begabt ist, ist der Mensch aufgerufen, die Schöpfung mit ihren inneren Gesetzen zu respektieren, denn „der Herr hat die Erde mit Weisheit gegründet“ (Spr 3,19). Heute sagt die Kirche nicht einfach, dass die anderen Geschöpfe dem Wohl des Menschen völlig untergeordnet sind, als besäßen sie in sich selbst keinen Wert und wir könnten willkürlich über sie verfügen. Darum lehren die Bischöfe Deutschlands: Bei den anderen Geschöpfen „könnte man von einem Vorrang des Seins vor dem Nützlichsein sprechen.“42 Der Katechismus erörtert das, was ein fehlgeleiteter Anthropozentrismus wäre, auf sehr direkte und nachdrückliche Weise: „Jedes Geschöpf besitzt seine eigene Güte und Vollkommenheit […] Die unterschiedlichen Geschöpfe spiegeln in ihrem gottgewollten Eigensein, jedes auf seine Art, einen Strahl der unendlichen Weisheit und Güte Gottes wider. Deswegen muss der Mensch die gute Natur eines jeden Geschöpfes achten und sich hüten, die Dinge gegen ihre Ordnung zu gebrauchen.“

Quelle: Enzyklika Laudato Si, Papst Franziskus, 2015, 2. Kap., S. 49 ff (url-Link)


—  Egocentric, Ecocentric, Theocentric

Erklärvideos in engl: https://www.tearfund.org/campaigns/christianity-and-climate-change-film-series

Quelle: What the Bible says about the natural world, Tearfund (url-Link)

Studienbrief Schöpfungstheologie: „Klimawandel als ethische und theologische Herausforderung“ (Dr. H. Meisinger), Mainz, 2011 (PDF 3,9 MB)