Mahner, Mittler, Motor
mit den „Christians for Future“ gegen die Klimakrise


Online-Stammtisch „Faire Gemeinde“
im Erzbistum Paderborn am 05. Mai 2022

Vortrag Dr. Franz-Josef Klausdeinken (CC4F Soest)

Hinweise zur Vertiefung


Paradising – die Sehnsucht nach dem Paradies

Ist uns die Sehnsucht nach dem Paradies verloren gegangen? Angesichts des fortschreitenden Klimawandels, des massiven Verlusts von Biodiversität und einer fragilen, polarisierten Gesellschaft brauchen wir neue Perspektiven, wie wir leben wollen. Wie können wir uns als Menschen in der Schöpfung bewähren, um die Zukunft offen zu halten? Das Paradies ist, wie bei Adam und Eva, eben nicht als Utopie zu denken, sondern als konkreten Raum zur Bewährung für die Menschheit.

Wir müssen uns unsere Vorstellung vom Paradies zurückerobern! Wenn jede*r sich bemüht, einen kleinen Garten Eden zu schaffen, dann werden die vielen kleinen Gärten das Paradiesen auf Erden wieder sichtbar machen. Vieles ist schon da, oftmals verborgen, einiges als „zarte Pflänzchen“ sichtbar, welche gehegt und gepflegt werden müssen. Einiges Zerstörte muss neu erschaffen werden. Für all das braucht es viele Gärtner*innen und vor allem eine bewusste Entscheidung.

Die ökologische und sozio-ökonomische Dimension

Das Thema „Schöpfung bewahren“ hat nicht nur eine, die Natur betreffende, ökologische, sondern auch eine den Menschen betreffende, sozio-ökonomische Dimension. Wir hören fast täglich von den Katastrophen und wissen, dass wir Menschen die Verursacher sind und sind zurecht empört. Aber jeder einzelne von uns kann etwas tun, um die Schöpfung, die Mit-Welt zu bewahren.

Am 5. Mai ist der diesjährige German Overshoot Day – Wir verbrauchen 2,9 Erden.
Und beim CO2 stoßen wir ca. 5x so viel aus, wie für ein Gleichgewicht zulässig wäre.

Aber nicht nur in der Ukraine leiden und sterben Menschen wegen unseres Energiehungers. Durch den CO2-Ausstoß verändern wir das Klima dramatisch. Die extremen Überschwemmungen z.B. in Australien oder die jahrelangen Dürreperioden z.B. in Madagaskar stehen stellvertretend für die weltweiten ökologischen und humanitären Katastrophen

Präses A. Kurschus bringt es auf den Punkt: „Das Leben auf der Erde, von Gott geschenkt, ist gefährdet wie nie“.
Und Erzbischof Becker fordert „Unsere Schöpfungs- und Weltverantwortung äußert sich in einer konsequent nachhaltigen Gestaltung von pastoralem und kirchlichem Leben.“

Für uns Christ:innen vor Ort eine entscheidende Zeit, sich der Verantwortung glaubhaft und überzeugend zu stellen.


Seit den 1980er Jahre zahlreiche Positionspapiere zur Schöpfungsverantwortung

Mit der Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz zu Fragen der Umwelt und der Energieversorgung „Zukunft der Schöpfung – Zukunft der Menschheit“ (1980)) wurden von der kath. Kirche zahlreiche Schriften veröffentlicht.

Eine besonders große Aufmerksamkeit erzielte die Enzyklika „Laudato si“ über die Sorge für das gemeinsame Haus Papst Franziskus (2015). Er schreibt: „Die dringende Herausforderung, unser gemeinsames Haus zu schützen, schließt die Sorge ein, die gesamte Menschheitsfamilie in der Suche nach einer nachhaltigen und ganzheitlichen Entwicklung zu vereinen, denn wir wissen, dass sich die Dinge ändern können.“ „Wir haben eine klimatische Notlage geschaffen, welche die Natur und das Leben, auch unser eigenes, stark bedroht. An der Wurzel steht das Vergessen dessen, was wir sind: Geschöpfe nach dem Bild Gottes (vgl. Gen 1,27), die dazu berufen sind, als Brüder und Schwestern das gleiche gemeinsame Haus zu bewohnen.“


Was sagt das Zielbild 2030+ zur Schöpfungsverantwortung?

Das Zielbild ermutigt dazu, absehbare Entwicklungen der Kirche aktiv zu gestalten. Hier gibt es einen klaren Auftrag an alle Getauften! Eine zentrale Aussage des Zielbilds hinsichtlich Schöpfungsverantwortung findet sich unter 3.1.1 Pastoraler Ansatz bei der Lebenswelt der Menschen und gesellschaftlicher Verantwortung

Unsere Schöpfung- und Weltverantwortung äußert sich in einer konsequent nachhaltigen Gestaltung von pastoralem und kirchlichem Leben. Deshalb beteiligen wir uns erkennbar an aktuellen gesellschaftlichen Debatten und stärken auch auf diese Weise das diakonische Engagement.“

„Umweltfragen sind immer Verteilungsfragen und Verteilungsfragen sind immer Gerechtigkeitsfragen.“ Maja Göpel in „Unsere Welt neu denken.“ (2020), S.161

Die Transformationsforscherin Prof. Dr. Maja Göpel spricht von den sieben F, mit denen jeder von uns Einfluss auf die Nachhaltigkeit nehmen kann:

  • Fummel – steht auch für den Konsum im allgem.
  • Fliegen – steht auch für das Mobilitätsverhalten im allgem.
  • Fleisch – steht auch für die Ernähung im allgem.
  • Fläche – steht auch für die Wohnkultur im allgem.
  • Finanzen – steht auch für Divestment im Bereich fossile Energien, Kriegsgüter, …
  • Funken
  • Flagge zeigen

Kann den Fliegen Sünde sein?

Beispiel für anachronistisches Verhalten: 2 großen Gruppenreisen eines PR im Herbst werden ca. 45.000 kg klimaschädliches CO2 ausstoßen und Putins Kriegskasse füttern.


Was kann ein nachhaltiger Lebensstil im Alltag gelingen?

Im Alltagsleben geht es auch um ein nachhaltiges Konsumverhalten, also um „Fummel, Fliegen, Fleisch, Fläche, Finanzen, Funken und Flagge zeigen“. Die großen Themen sind Mobilität, Wohnen und Ernährung und Kaufverhalten. Wichtig ist es, die Spiritualität der Schöpfung sich immer wieder zu eigen zu machen.

  • Handlungsfeld privates Verhalten: Wie wohne ich? Wie halte ich es mit der Mobilität? Wie esse ich? Wie ist mein Kaufverhalten?
  • Handlungsfeld Unterstützung: Unterstütze ich sozial-ökologische Initiativen (z.B. Misereor, www.Klimaspenden.de)? Lege ich mein Geld nachhaltig an (z.B. Oikocredit)?
  • Handlungsfeld Beteiligung an Initiativen: Beteilige ich mich aktiv an sozial-ökologische Initiativen (z.B. Tafel = diakonisches Handeln + Lebensmittel retten) oder Klimagruppierungen auf kirchlicher oder kommunaler Ebene oder an „Eine-Welt-Laden“)
    https://cc4f-soest.org/aktiv-werden/c4f-aktionen/
  • Handlungsfeld Öffentliches Auftreten: Zeige ich Flagge und trete öffentlich, als Christ erkennbar, auf? (z.B. Workshops / Podiumsdiskussionen, bundesweite Kampagne, sichtbare Teilnahme an lokalen Klimastreiks, Gründung eines Klimatreffs)
    https://cc4f-soest.org/fridays-for-future-globaler-klimastreik/

Lesetipp: https://cc4f-soest.org/themen-und-termine/umwelt-verteilung-gerechtigkeit/

das spirituelle 8. F: Fasten – So viel du brachst – Lebens-Mittel-Punkt www.klimafasten.de

Die Christians for Future sind bundesweit vernetzt und zeigen Flagge

Die Überschriften der 12 Forderungen

  • DIE PROPHETISCHE STIMME DER KIRCHEN damit Kirche sich sichtbarer und offensiver in den gesellschaftlichen und politischen Dialog zur Klimakrise einbringt – in der Öffentlichkeit und in privaten Gesprächen mit Entscheidungsträger:innen.
  • DIE UMSTELLUNG DES EIGENEN HANDELNS IN DEN KIRCHEN damit kirchliche Institutionen bis 2030 klimaneutral werden und ab sofort umfassende Maßnahmen ergreifen, um das zu erreichen.
  • BEWUSSTSEINSWANDEL INNERHALB DER KIRCHEN damit Kirchen Klimagerechtigkeit als zentrales Thema ihrer pastoralen Arbeit begreifen und gegenüber Gläubigen deutlich machen, dass dringendes Handeln zur Bewahrung der Schöpfung notwendig ist.


Wie kann die sozial-ökologische Transformation gelingen?

Aus Sicht der Transformationsforschung „besteht die ‘Große Transformation‘ unserer Gesellschaften hin zu einem sozial und ökologisch global gerechten Zusammenleben nicht aus einer großen Transformation, sondern aus vielen kleinen sequenziell und parallel verlaufenden Transformationsprozessen in verschiedenen Subsystemen, die zu einem Wandel der gesellschaftlichen Entwicklung oder der Systemdynamik führen“ (Göpel und Remig, 2014; S. 70). Dabei kommt es zu Ungleichzeitigkeiten und Brüchen. Klimapolitik soll nicht nur kosten, sondern vor allem das Gemeinwesen stärken.

Lesetipp: https://cc4f-soest.org/anders-leben/so-tickt-deutschland/ https://cc4f-soest.org/anders-leben/gemeinsam-wege-wagen/


Fußabdruck vs. Handabdruck

Ökologischer Fußabdruck
vom eigenen privaten Alltagshandeln

  • verkleinern (besser, weniger, anders)
  • oft alleine
  • innerhalb bestehender Strukturen

Ökologischer Handabdruck (url-Link)
hin zum gesellschaftlich wirksamen Handeln

  • vergrößern (mehr machen, aktiv werden)
  • am besten gemeinsam
  • Strukturen mitgestalten


Es braucht mehr Schöpfungsspiritualität in Liturgie und Verkündigung

„Der Glaube an den Schöpfergott, der die Welt gut geschaffen und dem Menschen anvertraut hat, ist als ein Kernbestand der christlichen Überlieferung Grundlage der Schöpfungsverantwortung von Christinnen und Christen. In den Handlungsempfehlungen zu Ökologie und nachhaltiger Entwicklung … wird deshalb an erster Stelle angeregt, der Schöpfungsverantwortung noch mehr Raum als Gegenstand kirchlicher Verkündigung, gottesdienstlicher Feier und Katechese zu geben.“

Lesetipp: https://cc4f-soest.org/themen-und-termine/schopfungsspiritualitat/


Wie kann das sozial-ökologische Thema in die Kirchengemeinden und den Sozialraum getragen werden?

7 Klimatage für die Schöpfung

Sieben Tage lang haben Christen der kath. und ev. Kirche ihrer Verantwortung für die Schöpfung besonders herausgestellt. Die Woche vom 29. Aug. bis 05. Sep. 2021 bot vielfältige Anregung, wie Verantwortung in lokales Handeln umgesetzt werden kann – angefangen beim Gottesdienst über Vorträge und Diskussion, Ausstellung, Kino bis zum Grünen Picknick. Durch die Beteilung von über 30 Initiativen am „Klimamarkt der Möglichkeiten“ wurde der breiten Öffentlichkeit eine starke Gemeinschaft präsentiert.

Sommerkirche 2021 zu Gottes Schöpfungsgeschichte

In jedem Jahr feiert die Petri-Pauli Kirchengemeinde „Sommerkirche“ mit einer besonderen Predigtreihe; dieses Jahr unter dem Motto „Gottes Schöpfung“. Denn in den Schöpfungsberichten der Bibel sind spannende Fragen angeschnitten: Ökologie und Lebensräume, der durchaus umstrittene Auftrag an den Menschen, sich die Erde untertan zu machen (sie aber auch zu bewahren), das Verhältnis von Frau und Mann (und wo sind Homosexualität und die anderen Geschlechter?), der Mensch und die Tiere, die paradiesische Schönheit und der Riss der Gewalt, der durch die Schöpfung geht.

Menschen, die mit diesen Themen zu tun haben, übernehmen die Predigt bzw. erzählen im Gottesdienst aus ihrer Tätigkeit.

Mach-mit-Projekte

Die Mach-mit-Projekte sind ein Experiment, das die unterschiedlichen Talente der Menschen in einem offenen Projekt zusammenbringt. Sie sind eingebettet in eine partizipativer Kirchenentwicklung mit den Schwerpunkten Taufe als Berufung, Orientierung an den Charismen und Leitungsstil der Ermöglichung.

Es geht auch darum Mit-Schöpfer:in zu werden! Mit unseren Gedanken, Worten und Werken und Gottes Segen viele kleine, lokale Paradiese zu (er-)schaffen und sichtbar werden zu lassen. Wenn diese wachsen und zusammenwachsen, kann daraus ein großer, weltumspannendes Garten Eden werden. Um das Paradies (zurück-)zugewinnen bedeutet es, die Schöpfung zu bewahren und „Paradies-Gärtner:in“ zu werden – durch „Paradising“ das Paradies auch religiös zurückzuerobern 1).

Jede*r von uns hat jeden Tag die Wahl die Wahl für ein klimagerechtes Leben!


Wie können Sie sich weiter zum Thema vernetzen/auf dem Laufenden bleiben?


Wer sind die CC4F Soest und was treibt uns an?

https://cc4f-soest.org/fussnote/ueber-uns/https://cc4f-soest.org/fussnote/vision-mission/

Ansprechpartner: Franz-Josef Klausdeinken mail@cc4f-soest.org

Wir fördern Projekte der Lokalen Kirchenentwicklung im Bereich „Schöpfung bewahren“

Wir nehmen Stellung zu sozial-ökologisch kritischen Verhalten der Ortskirche!


Christians for Future auf Bundesebene https://christians4future.org/